Öffentlicher Diskussionsabend: "Freimaurerei und das Schweigen zur Politik"

Der gestrigen Diskussionsabend begann mit dem folgenden Impulsvortrag:

 

"Eigentlich wollte ich heute über das sprechen, was derzeit in Heidenau, in Freital und immer wieder in Dortmund passiert. 


Ich wollte diskutieren wie es zu solch rechten Bewegungen kommen konnte, die sich selbst als „besorgte Bürger“ oder „Asylkritiker“ titulieren und auch in der Presse und der Politik oft so genannt werden. Ich wollte wissen, ob es eine Lösung geben kann mit diesem braunen Mob umzugehen und ob nicht viel früher etwas hätte passieren müssen. 

Gerne hätte ich auch darüber gesprochen wie das Internet für die Verbreitung von falschen Tatsachen genutzt wird um zu polarisieren, wie Neonazis seit Jahren systematisch in die Mitte der Gesellschaft vordringen und ihr Gedankengut schön verpackt an den Mann bringen.


Doch letzten Endes fragte ich mich: Darf ich das hier eigentlich?


Schließlich besagen unsere Statuten seit 1723:


„Auch sollt ihr nichts tun oder sagen, das verletzen oder eine ungezwungene und freie Unterhaltung unmöglich machen könnte. Denn das würde sich nachteilig auf unsere Eintracht auswirken und den guten Zweck vereiteln, den wir verfolgen. Deswegen dürfen keine persönlichen Sticheleien und Auseinandersetzungen und erst recht keine Streitgespräche über Religion, Nation oder Politik in die Loge getragen werden.“ 


Dass nicht über Religion gestritten werden soll, ist für mich durchaus einleuchtend. Es ist etwas persönliches, etwas, das tiefer geht und keiner Erklärung bedarf. Religion kann nicht rational besprochen werden. Ich glaube an dieses oder jenes. Und dieses „ich glaube“ ist es, dass jedem selbst überlassen sollte. 


Ist das in der Politik nicht irgendwie dasselbe? Schließlich glaube ich an bestimmte Werte, die die eine Partei mehr oder weniger vertritt. 


Allerdings sollte ich diese Dinge durchdacht haben. Ich kann mich mit Fakten eindecken und diese für mich persönlich auswerten. Das gestaltet sich bei der Religion etwas schwieriger. 


Und gerade dieses Durchdenken, dieses Hinterfragen sollte etwas sein, dass meiner Meinung nach, zur spekulativen Freimaurerei gehört wie das Amen in die Kirche. 


Was sollte uns also davon abhalten über Politik zu streiten? 


„Politik geht uns alle an“, habe ich in der Schule gelernt. Sie ist nicht geprägt von parteipolitischen Ränkelspielchen, sondern sie ist etwas, dass unseren Alltag gestaltet. Es geht um mehr als alle paar Monate zur Wahl zu gehen.


Natürlich will ich keinen Streit innerhalb der Loge, doch ich möchte, dass die Probleme, die uns alle etwas angehen offen und ehrlich besprochen werden können. Dabei sollten extreme Formen wir Rechtsextremismus keinen Raum haben. Eine solche Form der Meinungsäußerung würde gegen unsere humanitären Grundwerte verstoßen. 


Was mich zu meiner nächsten Frage bringt:


Warum äußern sich Freimaurerlogen bzw. die Vereinigte Großloge von Deutschland als unsere Generalvertretung, nicht zu menschenverachtenden Äußerungen wie sie im Zuge der Flüchtlingspolitik vermehrt getätigt werden. Sind Freimaurer nicht in der Vergangenheit und auch heute noch immer wieder Opfer von Verfolgung und abstrusen Verdächtigungen geworden? Sollten wir nicht alles, auch öffentlich, ablehnen, dass gegen Menschenrechte und ein friedliches Miteinander verstößt? 


Dass die Vereinigten Großlogen sich nicht zu jedem politischen Thema äußern sollte - und kann - liegt im Kern unserer Bruderschaft, die frei von Dogmen ist. Jeder hier darf und soll seine eigene Meinung haben. Eine einhellige Meinung nach außen zu vertreten ist schwer und auch nicht immer gewollt, doch alles was unseren Grundwerten Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit entgegensteht, sollte ein klares Zeichen entgegengesetzt werden.


Prominente wie Til Schweiger, Oliver Kalkofe, Anja Reschke, sowie Joko und Klaas formieren sich unter dem Motto „Mund Aufmachen“ und sprechen sich klar gegen Fremdenhass und Rechtsextremismus aus. Ein solches Zeichen zu setzen scheint mir heute nötiger als vor ein paar Jahren. 


Wie, wo und wann machen wir also unseren Mund auf?"

 

Nach diesen einleitenden Worten begann eine rege Diskussion mit den unterschiedlichsten Meinungen.

 

Sollten Sie Interesse haben, einmal mit uns zu diskutieren und unsere Ansichten kennen zu lernen, nehmen Sie einfach Kontakt auf und besuchen Sie einen unserer Diskussionsabende.


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