Hier finden Sie regelmäßig aktuelle Informationen zu unserer Loge und können sich einen Überblick verschaffen über Themen, die uns bewegen. Diese Themen werden zu unseren Gästeabenden diskutiert.

 

Öffentlicher Disskussionsabend "Befindlichkeiten vor und nach der Wahl"

Zum gestrigen Abend lieferte unser Br. Wolfgang Heilmann einen gewohnt präzisen Blick auf die Em- und Be-Findungen vor sowie nach der Bundestagswahl vom 24. September. Er vermittelte seinen ganz persönlichen Eindruck mit Erwartungen und Enttäuschungen und gab seine eigene Haltung wieder. Anhand dieses einleitenden Vortrages konnten wir Teilnehmer unsere eigenen politischen Befindlichkeiten reflektieren und mit den anderen teilen, Meinungen austauschen und neue Erkenntnisse gewinnen. Den Vortrag in seiner Gänze können Sie hier nachlesen oder herunterladen.

 

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Es soll selbstverständlich nicht um Parteipolitik gehen, sondern um die Befindlichkeiten in unserem Land vor und nach der Wahl vom 24. September. War der bisherige Weg richtig, wohin soll ein neuer führen? Welche Werte bewegen uns und sollen wie in der Politik wieder gespiegelt werden? Empfindet ihr wie ich die Bundesrepublik als im demokratischen Dornröschenschlaf verhaftet? In einem ideologischen Vakuum? Deutschland steht wirtschaftlich gut da, Bruttosozialprodukt, Exportquoten, Steueraufkommen, alles im tief grünen Bereich. Eine der führenden Wirtschaftsnationen, absolut führend in der EU. Politisch kein Weltgewicht, aber Kraft unserer Kanzlerin durchaus reputierlich. Der Deutsche fühlt sich wohl. Fußball-Weltmeister, Bundesliga, Berlin Tag und Nacht, Konsumglück für jedermann, einschließlich der Selbstbestätigung in der schönen virtuellen Welt von Facebook, Amazon und Apple. Was will man mehr? Politisches Engagement? Überschaubar! Beteiligung an der politischen Meinungsbildung? Wer hin und wieder Hart aber Fair, Maischberger oder Anne Will an sich vorbeirauschen lässt, ist schon aktiver als der Durchschnitt. Politische Meinungsbildung wenigstens im Bundestag? Fehlanzeige! Die Art und Weise wie sich die große Koalition im Bundestag generiert und wie die bisherigen Oppositionsparteien dies generös hingenommen haben, kommt einer Verweigerung der Auseinandersetzung, der Debatte, gleich. Da findet keine Kontrolle der Regierung statt, keine Entwicklung alternativer Konzeptionen, sondern lähmende Jasager Mentalität. Da sich die überwiegende Mehrheit der Deutschen permanent im Wohlfühlmodus befindet, ist auch ein Ehrgeiz der Politiker und Parteien, etwas anders, etwas Neues zu machen, kaum erkennbar. Never change a running System. Und überhaupt: Im Vergleich zu Donald Trump, Erdogan, Orban und Kascynski müssen wir uns doch wohl nicht verstecken. O. k.: Einen Emmanuel Macron können wir nicht aufbieten. Wir sind gerade dabei, das Erbe der Aufklärung zu verschenken. Der Homo Sapiens, der Homo Democratius hat sich zum Homo Consumens weiterentwickelt oder sollte man besser sagen zurück entwickelt? Unsere Welt ist unübersichtlich geworden. Probleme werden globaler, Instanzen, die darauf reagieren könnten, fehlen. Konnten wir uns früher darauf beschränken, national zu fühlen und zu denken, ist das heute nicht mehr ausreichend. Der Nationalstaat kann globale Probleme nicht lösen. Wo sind oder entwickeln sich aber neue Instanzen, die mit größerer Autorität globale Probleme auch global angehen? Unsere Gesellschaften, die technische Entwicklung, haben sich beschleunigt, werden für die meisten undurchschaubar, so dass wir dazu neigen, persönlich zu resignieren, an der Aufgabe zu verstehen, gar mitgestalten zu wollen. Es ist verführerisch, sich dem vermeintlich Unabänderlichen hinzugeben, nur noch individuelle Interessen zu verfolgen, für sich und seine Lieben zu sorgen und sich ansonsten abzufinden. Sich ins Private oder die Unverbindlichkeit der sozialen Netzwerke zurückzuziehen, auf den letztlich unzulänglichen wie unwürdigen Standpunkt: Mir geht es gut und die da oben, die es immer schon gerichtet haben, werden es auch weiter richten. Wären da nicht so lästige Irritationen wie ein neuer Atomwaffentest in Nordkorea, eine neue bitterböse und brandgefährliche Anekdote aus dem Leben des amerikanischen Präsidenten, ein Attentat mit islamistischen Hintergrund (zumindest, wenn es in Europa stattfindet) oder eine neue Asylantenwelle. Und dann noch ein Dorn im Wohlfühlbereich: die AFD. Ausgerechnet diese unsägliche Partei muss uns den Spiegel vorhalten, dass es eben nicht nur zufriedene Wohlstandsbürger durch alle Schichten unserer Gesellschaft gibt, sondern auch Wutbürger, Unzufriedene, die sich dem Diktat der political correctness verweigern, die sich zusammenrotten (früher nannte man das demonstrieren), die lautstark schimpfen, beleidigen, auch schon einmal drohen und ziemlich häufig auch, wenn es gerade schön passt, lügen. In postfaktischen Zeiten, in denen die Wahrheit keinen allgemein akzeptierten, positiven Wert mehr darstellt, die Digitalisierung jedenfalls bei politisch motivierten Fehlinformationen weit fortgeschritten ist. Und das Traurige daran ist, die AFD Wähler haben ja nicht immer und ausnahmslos Unrecht. Sie sind zu zornig, um zu schlummern, wie die Mehrheit, aber auch zu zornig, um nachzudenken, zornig, weil sie sich als relevante Bevölkerungsgruppe empfinden, zu der unserer Politik derzeit wenig mehr einfällt, als sie tot zu schweigen zu versuchen. Das wird im neuen Bundestag mit einer AFD als drittstärkster politischer Partei, mit 12,6 % Prozent AFD Abgeordneten nicht mehr möglich sein. Sicherheit und Gerechtigkeit sollten maßgebliche Wahlthemen gewesen sein. Was ist unseren Politikern dazu Kreatives eingefallen? Mindestens 15.000 neue Polizisten, woher man sie fertig ausgebildet auch nehmen mag, und irgendwelche betraglich überschaubaren aber inhaltlich nebulösen Steuererleichterungen. Den reichsten 10 % der Deutschen gehören 52 % des Nettovermögens, die gesamte untere Hälfte der Bevölkerung teilt sich zusammen ein Prozent. Kapitalerträge werden zumeist geringer besteuert als Einkünfte aus humaner Arbeit. Bei Apple hat sich Irland mit einer Körperschaftsteuer von 0,005 % begnügt, ein legitimer (?) Steuervorteil von 13 Milliarden €. In Luxemburg hat Amazon aufgrund besonderer Absprachen nur ¼ der für ansässige Unternehmen geltenden Steuern entrichten müssen. Vorteil 250 Millionen €. Die Fliehkräfte wachsender sozialer Ungleichheit - niemand bemüht sich um ein Rezept dagegen. Wir verschenken eines der zentralen Versprechen der Aufklärung: „Gleicher Respekt und gleiche Sorge für jedes Mitglied der Gesellschaft“. Die Symbiose von Wirtschaft und Politik, oder besser die Unterordnung der Politik unter die Interessen des Kapitals? Kein wirkliches Thema! Der unkontrollierte Markt ist gefährlich und der Staat impotent. Dieselaffäre, systematischer Gesetzesbruch und ebenso systematisches Wegschauen der Politik, zumindest solange es irgendwie möglich ist. Kein Thema. Gleichheit vor dem Gesetz? Das Bußgeld des einzelnen Autofahrers für einen kaputten Auspuff und der Persilschein der Autoindustrie für vorsätzlichen flächendeckenden Regelverstoß? Da ist es doch eher ärgerlich, dass in Stuttgart oder Düsseldorf die freie Fahrt für freie Dieselbürger beeinträchtigt werden könnte. Der erbärmliche Zustand unserer Infrastruktur, unserer Straßen, Autobahnbrücken, Schulen? Nicht nur die technische, sondern auch die gesellschaftliche Herausforderung digitaler Zeiten, insbesondere das Hinwegraffen von Millionen Arbeitsplätzen, die nicht alle zum Systemadministrator umschulbar sind? Die Zukunft, Angemessenheit, Finanzierbarkeit und Gerechtigkeit unseres Renten- und Gesundheitssystems? Nur auf dem Papier ein Thema, vertagt bis irgendwann, am besten nach der nächsten Wahl. Meine Befindlichkeit vor und nach der Wahl? Irgendwo zwischen Ärger, Besorgnis und Hoffnung? Braucht es wirklich weltweit Autokraten und Rechtsradikale, um uns aus dem demokratischen Tiefschlaf auf zu schrecken? Was für ein Unterschied zwischen Deutschland und Frankreich! Die Franzosen haben sich mit erstaunlicher, bewundernswerter Mehrheit gegen das Weiter so entschieden, die in Jahrzehnten erstarrten, vorgeblich staatstragenden Parteien gnadenlos abgestraft und einen politischen Neuanfang gewagt, der entschiedener kaum ausfallen konnte. Erwartung, Hoffnung und Mut. Wir Deutschen sind hierfür zu verzagt, aber die Richtung beginnt zu stimmen. Merkels Politikstil der Verweigerung der politischen Auseinandersetzung, wurde auch bei uns ein „nicht weiter so“ entgegen gesetzt. Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik wurden die beiden sogenannten Volksparteien zusammen so drastisch abgestraft, weil es vielen Wählern scheint, als hätten die Christdemokraten wie die Sozialdemokraten den Kontakt zu weiten Teilen des Volkes verloren. Die große Koalition hat die Gegenwart eher schlecht als recht verwaltet. Zukunftsgestaltung hat nicht stattgefunden. Von Visionen möchte man gar nicht reden, das wäre ja fast schon revolutionär, umstürzlerisch. Noch nicht einmal die uns Deutschen traditionell zugetraute administrative Kompetenz konnte überzeugen. Jedem Schüler sein Ipad, anstatt Schulen zu sanieren, in Anbetracht deren gegenwärtigen baulichen Zustandes man sich als Eltern nur schamvoll abwenden kann, als Schüler lieber einhält, als vorhandene sanitäre Einrichtungen zu nutzen, die eher an ein Bürgerkriegsszenario erinnern. Digitalisierung von Schülern, denen es zuvörderst an Lehrern fehlt. Lehrern, deren Zeitarbeitsverträge dann bitte nicht zu Beginn der Sommerschulferien enden und nach dem Ende der Schulferien wieder verlängert werden. Freie Fahrt für freie Bürger im Dauerstau. Marode Straßen, noch marodere Autobahnbrücken, eine Sachausstattung der Bundeswehr, die allenfalls bruchstückhaft und bedingt einsatzfähig zu sein scheint., eine jahrelange personelle Auszehrung unserer Polizei bei gleichzeitiger Erweiterung ihrer Aufgaben, eine fast schon faszinierende Unfähigkeit in der Kooperation unserer Sicherheitsbehörden, vom Fall Amri für einen kurzen Blitzlichtmoment erhellt, ehe sie wieder in eifersüchtig gewahrter föderativer Vielfalt untergeht. Der Flughafen unserer Hauptstadt, der fast schon eine Utopie darstellt, anstatt eine überfällige, technisch und administrativ zu bewältigende Infrastrukturmaßnahme. Oder wenn man des viel gelobten Sozialstaates bedarf und sich 3 Monate bis zum Erlass eines simplen Hartz IV Bescheides gedulden und durchhungern muss. Und das alles ist nur schlichtes Verwalten der Gegenwart, ohne Innovationen, die des Namens wert wären. Digitalisierung oder Industrie 4.0, auch so ein allgegenwärtiges Wahlkampfschlagwort. Macht sich irgendjemand da oben irgendwelche Gedanken darüber, was die 4. industrielle Revolution für unsere Arbeitsmärkte, sozialen Strukturen, die Stellung des Menschen in der Gesellschaft bedeutet? Natürlich müssen wir im globalen Wettbewerb bestehen, natürlich lassen sich mit Industrie 4.0 noch mehr Unternehmensgewinne und Exporterfolge erzielen, möglicherweise auch das Steueraufkommen weiter erhöhen. Alle bisherigen Gesellschaftsformen basieren auf Gemeinschaften, in denen der einzelne nach seinen Fähigkeiten am Erfolg des Gemeinwesens partizipiert. Der Wert des einzelnen für die Gemeinschaft und damit auch sein Selbstwertgefühl werden dadurch bestimmt, was er leistet, dass er leistet. Schon die Jäger und Sammler bezogen ihre Bestimmung aus den Aufgaben, die sie für die Gemeinschaft zu erfüllen hatten. Was machen wir mit den Menschen, die im Rahmen der 4. industriellen Revolution überflüssig werden? Es reicht sicherlich nicht aus, ihnen ein wie auch immer zu finanzierendes Bürgergeld bzw. bedingungsloses Grundeinkommen zu verschaffen. Die Bedeutung von Beschäftigung geht über die einer gängigen (nicht unbedingt der erfolgreichsten) Erwerbsquelle hinaus. Welchen Sinn, welche Bestimmung möchten wir einem Millionen starken Bürgergeld-Prekariat geben? Panem et circenses? Grundeinkommen und Bundesliga, sowie ein erweitertes Spektrum gesellschaftlich gebilligter, zulässiger Drogen? Da fallen mir einige Zeilen aus Casper‘s „Hinterland“ ein: „Willkommen zu Haus wo jeder Tag aus Warten besteht und die Zeit scheinbar nie vergeht. Man gibt uns gut zu verstehen, die leeren Gläser der Theke sind beste Lupen aufs Leben“ Seit vielen Jahren ist bekannt, dass unser gewohntes Rentensystem kollabieren wird. Die Erwartungen des Generationsvertrages sind angesichts unserer demographischen Entwicklung hinfällig. Der Jurist würde es Wegfall der Geschäftsgrundlage nennen. Wann beginnt die Politik ernsthaft nach Alternativen zu suchen, darüber zu diskutieren, Zukunft zu gestalten mit gerade bei der Altersversorgung langen Vorbereitungs- und Umstellungsperioden, anstatt an kleinen Stellschrauben einer längst veralteten Maschine zu drehen. Befindlichkeiten vor der Wahl? Unbehagen in Anbetracht des Versagens, der Unterlassungen bereits in Bereichen der alltäglichen Administration. Sorge vor dem allgegenwärtigen naiven Mantra: „Uns geht es gut, besser als unseren Nachbarn, also machen wir am besten weiter so, wie bislang auch“. Zorn über den verengten, soweit überhaupt vorhandenen Blick in die Zukunft. In einem unserer Rituale heißt es „Stillstand ist in geistigen und sittlichen Beziehungen undenkbar. Hier gibt es nur Fortgang oder Rückgang.“ Diesem Stillstand gilt es in unseren Demokratien und bei unseren Repräsentanten zu begegnen. Befindlichkeiten nach der Wahl? Der Wähler hat die große Koalition abgestraft, mit einem Minus von mehr als 13 % der Wählerstimmen bei einer leicht gestiegenen Wahlbeteiligung von 75 %. Das Parteienspektrum wurde erweitert: Die Rückkehr einer alten Partei als durchaus gelungene Einmannschau, aber letztendlich alter Wein in neuen Schläuchen. Eine neue, rechtspopulistische Partei, mit sehr alten Ideen, die wir Kinder der Aufklärung leichtfertig als im vergangenen Jahrhundert endgültig entzaubert geglaubt hatten, Ideen, deren erneuter Vormarsch ins Parlament bei uns deutlich länger gedauert hat, als bei unseren europäischen Nachbarn. Ist das nun ein Aufbruch? Ein 1. Schritt zu wirklicher Veränderung? Die Hoffnung stirbt zuletzt, doch der Zweifel bleibt. CDU/CSU, SPD, Grüne und auch die Liberalen waren bislang die Repräsentanten des: Uns geht es gut, lieber keine Experimente, die Zukunft wird uns auch weiter so belohnen, wie wir es unserer Prosperität und der Tüchtigkeit und politischen Pflege unserer Unternehmen verdanken. Mehr als 73 % (CDU, SPD, FDP, Grüne) haben das Weiter so gewählt, gegen den Mut zum Neuen, zu wirklicher Veränderung gestimmt. Das hat nichts mit wirklicher, mit durchdachter Zufriedenheit zu tun, sondern mit Angst vor Veränderung, dem Ungewohnten. Die Franzosen wollen es Besser haben, die Deutschen nicht Schlechter. Wer Entwicklung will, braucht neue Besen, wen die Angst vor Rückschritt lähmt, der bleibt beim gewohnten Personal. Ein Christian Lindner ist zweifellos ein Gewinn aber kein Emmanuel Macron. Die Linken sind und bleiben erstarrt in antiquierten Klassenkampfvorstellungen, die durchaus eine Modernisierung verdienen würden und müssen sich als Fundamentalopposition ausgerechnet von einer AFD überholen lassen. Populismus ist nicht mehr wirklich rechts oder links. Er fischt jedoch immer im selben trüben Gewässer. Wir haben es immerhin 72 Jahre geschafft, nationalsozialistisches Gedankengut aus dem Parlament zu halten, die Erinnerung an das tausendjährige Reich und den Holocaust als „Denkmal der Schande“ zu bewahren. Wir müssen damit leben, dass Gesellschaften, eben auch Demokratien, anfällig gegen rechtspopulistische Bewegungen sind. Da müssen wir nicht in die USA schauen. 2017 erhielt Geert Wilders in den Niederlanden 13,1 % der Wählerstimmen, der Front National in Frankreich 12,2 % und für die noch in diesem Jahr stattfindende Wahl in Österreich werden der FPÖ aktuell sogar 24 % prognostiziert. Hier bewegt sich die AFD mit 12,6 % im europäischen Kontext durchaus unauffällig, auch wenn man eine derartige Rückwärtsgesinnung Deutschland noch immer übler nehmen mag als den Nachbarn. Ein Drama ist eine AFD als drittstärkste Fraktion nicht! Auch kein Anlass für andere Parteien „rechte Flanken zu schließen“. Es gab immer und es wird immer geben Bürger, die sich abgehängt und unbeachtet empfinden, die anfällig sind für rechts- oder linkspopulistische Rattenfänger, anfällig für Appelle an Wut, Angst, Diffamierung und postfaktische Vergewaltigung von Wahrheit und Geschichte. Die „Spiel nicht mit der Schmuggelkindern“-Taktik der etablierten Parteien war schon immer falsch, eine einfältige Ignorierung real bestehender Befindlichkeiten im Wählerspektrum. Jetzt haben sie die Gelegenheit und die demokratische Pflicht, sich offensiv im Bundestag mit dieser neuen Fraktion und deren alten Ideen auseinanderzusetzen, diskursiv, entschieden in der Sache, aber unter Meidung stilistischer Anpassung an den politischen Gegner. Die überwiegende Mehrheit der Wähler wünscht auch weiterhin ihre gewohnte Kanzlerin. Persönlich ist sie deutlich weniger eingebrochen als die sie tragenden Volksparteien. Für die AFD ist Merkel Hassobjekt und Existenzbegründung zugleich. Ihrer Wähler waren nicht wirklich für die AFD sondern gegen Merkel. 60 % der AFD-Wähler gaben an, nicht aus Überzeugung, sondern aus Enttäuschung ihr Kreuz gemacht zu haben. Über 90 % der AFD-Wähler machen sich Sorgen um den Verlust der deutschen Kultur. Seit der Wahl sind zwischenzeitlich mehr als 2 Wochen vergangen. Von „wir haben verstanden“ wenig Spur. Die Kanzlerin äußert noch am Wahlabend mit schmerzhaften Realitätsverlust, sie wisse gar nicht, was sie in der Vergangenheit hätte anders machen sollen. Die SPD hat sich zur gleichen Zeit bereits auf die Oppositionsbank verabschiedet, um die Wunden der viel zu langen großen Koalition zu lecken. Die AFD hat nicht zu verstehen, außerdem diabolisch getimten Abschied ihrer Parteivorsitzenden. Ein Wahlergebnis, das nach Aufbruchstimmung ruft. Aber erst einmal wollen wir noch die Ernte oder Missernte unserer alten Politik in Niedersachsen einfahren? Die Sondierungsgespräche haben noch nicht einmal begonnen, aber das Stühlerücken ist wenigstens schon einmal in vollem Gange. Der Finanzminister wird vorsorglich in das ehrenwerte Amt des Bundestagspräsidenten gelobt, um Platz für Begehrlichkeiten der Liberalen zu machen, die ihn im Amt beerben wollen. Der Außenministerposten wird ohnehin nur noch interimistisch wahrgenommen. Gut für die Grünen. Und die SPD leidet still unter der dramatischen Reduzierung der zu vergeben Posten. Da muss dann schon einmal die eine oder andere der Partei nahestehende Stiftung herhalten, die dringend neues Führungspersonal brauchen.

Visionen? Die hat in Europa und für Europa derzeit vor allem Emmanuel Macron. Festlegung auf Schmerzgrenzen, jenseits deren der Platz auf den Oppositionsbänken winkt? Fehlanzeige. Wer sich zuerst bewegt, der verliert. Die politische Mehrheit aber auch wir Wähler selbst sollten es mehr mir mit Albert Einstein halten, den ich zum Schluss zitieren möchte: „Die Welt wird nicht bedroht von Menschen, die böse sind, sondern von den Menschen, die danebenstehen und sie gewähren lassen.“ und: „Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.“

 

 

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Wolfgang Heilmann - Befindlichkeiten vor und nach der Wahl
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Öffentlicher Diskussionsabend "Freimaurerei und Geschlecht"

Gestern Abend behandelte der Impulsvortrag unseres Redners das Thema Freimaurerei und Geschlecht, wobei der Kern des Vortrages nicht unbedingt das behandelte, was Freimaurer vermuten würden. Es ging nämlich nicht um die Frage, ob Frauen Freimaurer werden können/dürfen/sollen/müssen oder ob gemischte Loge Sinn machen oder andere Fragen, die einem Freimaurer da zumeist in den Sinn kommen. Es ging vielmehr um denn Mann und die Frau als Geschlecht an sich. Aber lesen Sie selbst:

 

Ein freier Mann von gutem Ruf soll ein Freimaurer sein. Über die Definitionen „guter Ruf“ und „frei“ kann man viel streiten, lässt es doch recht viel Raum für Interpretation. Bei dem Wort „Mann“ sieht das schon wieder anders aus. Die Freimaurerei geht mit dem Thema Geschlecht relativ wenig um, außer, dass Frauen aus deutschen Logen in der Regel ausgeschlossen werden, genau so, wie Männern eben auch der Eintritt in eine Frauenloge verwehrt bleibt.  Diese Regelung wird zwar in der Freimauerei auch unterschiedlich bewertet, doch herrscht eine scheinbar grenzenlose Einigkeit über das, was ein Mann und eine Frau ist. Eine Frau ist kein Mann und ein Mann keine Frau - ganz einfach. Oder doch nicht?  Keine Sorge! Ich möchte heute nicht darüber diskutieren, ob Frauen auch Freimaurer werden dürfen oder ob sogar gemischte Logen Sinn machen können. Dieses Thema ist einfach zu unerschöpflich, die Regularien der Großlogen sind da sehr eindeutig und auch die Meinungen innerhalb der Bruderschaft gehen da viel zu weit auseinander.  Heute Abend möchte ich mich vielmehr der Frage widmen, was denn „ein Mann“ eigentlich sein soll? Ist der Begriff bei näherer Betrachtung tatsächlich so eindeutig, wie er den Anschein macht? Und wenn er es nicht ist, was bedeutet das für uns als Freimaurer?   Schlägt man das Wort „Mann“ bei Wikipedia nach, scheint die Welt erst noch in Ordnung: „Mann bezeichnet einen erwachsenen Menschen männlichen Geschlechts."   Liest man dann ein wenig weiter begegnen einem viele Klammern, die diese Ordnung dann wieder etwas relativieren: „Aus molekularbiologischer Sicht unterscheidet sich der Mann von der Frau durch das Chromosomenpaar XY (siehe jedoch auch XX-Mann) in den Geschlechtschromosomen (statt XX bei der Frau, siehe aber auch XY-Frau)."   Auf den ersten Blick ist also die An- oder Abwesenheit des Y-Chromosoms ausschlaggebend: mit Y heißt männlich, ohne heißt weiblich. Aber Medizinern ist schon lange bewusst, dass bei so manchem die Grenzen verschwimmen, wenn die Geschlechtschromosomen das eine sagen und Geschlechtsmerkmale wie die Keimdrüsen (Eierstöcke und Hoden) etwas anderes. Eltern von Kindern mit Besonderheiten und Störungen der Geschlechtsentwicklung, auch DSD für "disorders of sexual development", Intersexualität oder Sexualdifferenzierungsstörungen genannt, sehen sich oft der schwierigen Entscheidung gegenüber, ob sie ihr Kind als Junge oder als Mädchen aufziehen sollen. Laut Spezialisten hat sogar jeder Tausendste eine Form von DSD.  Betrachtet man die Genetik, verschwimmt die Grenze zwischen den Geschlechtern noch mehr. Wissenschaftler haben viele der Gene identifiziert, die an den Hauptformen von DSD beteiligt sind und auf subtile Weise die Anatomie und Physiologie des Einzelnen beeinflussen. Neue Techniken der DNA-Sequenzierung und Zellbiologie machten deutlich, dass fast jeder von uns zu einem gewissen Grad aus verschiedenen Zellen besteht, gleichsam wie ein Patchwork. Dabei haben manche unserer Zellen ein Geschlecht, das zum Rest des Körpers eigentlich nicht passt. Auch das Verhalten einer Zelle scheint über komplexe molekulare Systeme von seinem Geschlecht beeinflusst zu werden.  Diese biologische Komponente, wenn also der Mensch biologisch zwischen den zwei „klassischen“ Geschlechtern steht, bezeichnet man als Intersexualität. In Deutschland leben heute etwa 80.000 Intersexuelle Menschen.  Doch nicht nur intersexuelle Menschen können Schwierigkeiten mit einer eindeutigen Geschlechtlichkeit haben. Auch kann es manchen Menschen schwer fallen, sich eindeutig als Mann oder Frau zu fühlen. Dies wird wiederum als Transsexualität bezeichnet.   Transsexuelle haben das sichere Gefühl, im falschen Körper gefangen zu sein. Sie sehnen sich nach einem Leben im anderen Geschlecht und versuchen, sich auch äußerlich diesem so weit wie möglich anzugleichen. Das hat nichts mit der Lust an Verkleidung zu tun. Ebenso wenig heißt das, dass sie lesbisch oder schwul sind. Transsexuelle scheinen zwar nach biologischen Kriterien Mann oder Frau zu sein - ihr Erbgut und ihre Hormone sind eindeutig. So einfach ist es aber nicht: Tatsächlich stimmt ihr Geschlecht nicht mit diesen sicht- und messbaren Geschlechtsmerkmalen überein.  Diese innere Gewissheit ist dauerhaft. Dabei erweckt der Begriff Transsexualität den Anschein, es handele sich um ein sexuelles Problem. Das ist falsch. Es geht den Betroffenen nicht um Sex, sondern um Identität. Deshalb bezeichnen sie sich selbst lieber als "Transidente". In den aktuellen Klassifikationssystemen für psychische Krankheiten - etwa dem DSM-IV - wird der Begriff Transsexualität ebenfalls nicht mehr verwendet. Stattdessen ist dort die Bezeichnung Geschlechtsdysphorie zu finden, ein Begriff, der das emotionale Leiden an der fehlenden Übereinstimmung zwischen Körper und Psyche beschreibt. Transsexuelles Erleben und Verhalten als psychische Erkrankungen zu sehen, gilt mittlerweile ebenfalls als überholt.  Sicher ließe sich argumentieren, dass die Zahl derer, die „im falschen Körper“ stecken, keine eindeutigen Geschlechtsmerkmale haben oder sich nicht klar zu ihrem biologischen Geschlecht bekennen können (oder wollen) recht gering ist. Aber dennoch bringt es mich zu einer wichtigen Frage: Was, wenn einer dieser Menschen morgen an unsere Türe klopft und um Zugang zur Loge bittet? Wie gehen wir dann damit um? Oder wenn es erst nach der Aufnahme auffällt? Oder sich ein Bruder für eine Geschlechtsangleichung zur Frau entscheidet?   Eine weitere Frage, die sich mir dann aufdrängt, ist die nach den Eigenschaften eines Mannes. Wenn das Geschlecht nicht immer so eindeutige Kategorien darstellt sondern bereits auf biologischer und identitärer Ebene so diffus ist, lässt sich dann vielleicht eine Art Punktekatalog erstellen, der etwas über die Zugehörigkeit zur Kategorie Mann aussagt? Oder mit den Worten des Bochumer Bardens Herbert Grönemeyers Worten gefragt: „Wann ist ein Mann ein Mann?“.  Welche Eigenschaften sollte der ideale Mann denn mitbringen? Ist er der alleinige Ernährer der Familie oder ist er Hausmann, der die Kinder hütet? Ist er stets gut gekleidet und achtet auf sein Äußeres oder ist er der mit dem Holzfällerhemd, der gerne in seiner Garage an Autos herumschraubt? Redet er gerne oder ist er wortkarg? Lebt er ein wildes Leben als Single wobei er nichts anbrennen lässt oder lebt er in einer festen Beziehung - vielleicht sogar mit einem anderen Mann?  All diesese Fragen eindeutig zu beantworten erscheint mir nicht möglich. Zumal sie immer wieder einem Wandel unterworfen sein werden. Das bedeutet, dass das was noch vor hundert Jahren als besonders männlich galt, heute schon wieder vergessen ist. Es scheint also auch unsere Umwelt etwas damit zu tun zu haben, was als männlich angesehen wird.  Genderforscher gehen größtenteils davon aus, dass Geschlecht ein soziales Konstrukt ist. Grundsätzlich gehen sie davon aus, dass es zwei Komponenten gibt. Zum einen das biologische Geschlecht, das sie mit dem englischen Wort „Sex“ bezeichnen und das soziale Geschlecht, das sie „Gender“ nennen.   Doch wenn Geschlecht tatsächlich ein soziales Konstrukt ist, das auch schon schwer zu definieren ist - was geschieht dann mit dem biologischen Geschlecht, wenn auch das nicht immer von Eindeutigkeit geprägt ist?  Drehen wir uns dann bei der Geschlechterfrage nicht grundsätzlich im Kreis? Ist die Männlichkeit wirklich dem Untergang geweiht, wie uns einige Medien glauben machen wollen? Sind die Männer nun endgültig den Feministinnen zum Opfer gefallen? Brauchen wir eine Männerquote?   Oder ist es nicht vielleicht gerade dieser Versuch der zwanghaften Unterscheidung zwischen zwei Kategorien? Vor allem von zwei Kategorien, die ja anscheinend doch nicht immer so eindeutig zu sein scheinen. In unserer modernen Welt scheint mir diese Kategorisierung manchmal etwas überholt. Ist also vielleicht sogar eine Überwindung dieser Dichotomie an dieser Stelle angebracht? Und wenn ja, wie könnte sie funktionieren?  Ein Vorschlag zur Überwindung kommt von den Philosophen Thomas Vašek und Rebekka Reinhard. Sie plädieren für ein ethisches Geschlecht. Für sie beruht das ethische Geschlecht auf Werten. Es steht in einer Beziehung zum biologischen Körper und zu sozialen Normen, doch es lässt sich weder auf das eine, noch auf das andere reduzieren. Ein Wert wie beispielsweise Stärke mag dabei zufälligerweise aus einer als männlich anzusehenden Tradition entstanden sein, doch darf jeder Mensch entscheiden, ob ihm dieser Wert wichtig ist und danach streben ihn in seiner bestmöglichen Form zu leben. Diese Werte kann ich mir, zumindest in den gegebenen Rahmen, aussuchen. Ich kann für mich entscheiden, welche Werte mir zu einem guten Leben verhelfen und mein Sein danach ausrichten. Männer können dabei auch weibliche Werte haben – so wie Frauen männliche Werte -, und zwar in allen erdenklichen »Kombinationen«.  Das ethische Geschlecht ist nichts Statisches, keine fixe Konfiguration, die ein für allemal festgelegt wäre. Wir können unsere Werte verändern, die Gewichtungen verschieben, die Prioritäten verlagern. Das ethische Geschlecht ist dynamisch, es ist immer in Bewegung, es verändert sich je nach Lebenssituation.  Wenn wir sinnvoll über den modernen Mann nachdenken wollen, sollten wir die Gender-Debatte also neu beginnen – und statt über die »Männer-versus Frauen«- Differenz über die zwischen männlichen und weiblichen Werten reden. Wir können diese Differenz in ein Verhältnis setzen, wenn es uns gelingt, sie aus dem Korsett von Normen und Biologie zu befreien. Erst wenn männliche und weibliche Werte aufeinanderprallen, ohne dass es dabei um Macht und Unterwerfung ginge, kann die Geschlechterdifferenz ihre fruchtbare Wirkung entfalten – als Differenz zwischen Werten, nicht zwischen Männer und Frauen. Zwischen der »Kultur Mann« und der »Kultur Frau« gibt es wenig zu »vermitteln«. Was wir brauchen, das ist eine neue, eine »dritte Kultur«, welche die Differenzen nicht einebnet, sondern – um eines guten Lebens und gelingender Beziehungen willen – von eben diesen Differenzen lebt.  Wir stellen also fest: Die Einteilung in zwei einfache Kategorien scheint uns nicht weiterzubringen. Doch was bedeutet das für uns als Freimaurer?   Die drei großen Fragen, die ich heute angerissen habe und die ich gerne mit euch diskutieren möchte lauten zusammengefasst:  Wie gehen wir damit um, wenn sich uns Menschen anschließen wollen - oder bereits angeschlossen haben - bei denen die zwei klassischen Geschlechterkategorien nicht mehr greifen? Wie definieren wir für uns als Freimaurer die Frage nach dem was ein Mann denn ist? Können - und sollen - wir die Geschlechterfrage überwinden, welche Möglichkeiten haben wir dazu und welche Auswirkungen hätte das wiederum auf die Freimaurerei?

 

Neuer Arbeitskalender für das 2. Halbjahr steht bereit!

Der neue Arbeitskalender für den Zeitraum von August 2017 bis Januar 2018 ist nun fertig. In diesem finden Sie alle Termine, die unsere Loge betreffen. Interessierte Gäste können hier sehen, zu welchen Terminen Sie uns kennenlernen können und Brüder erfahren hier alles über Möglichkeiten des Besuchs zu Tempelarbeiten.

 

Den Kalendar können Sie sich nun herunterladen oder hier online ansehen.

 

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Öffentlicher Diskussionsabend: "Bewertung von Arbeit zwischen Traum und Alptraum"

Zu unserem gestrigen öffentlichen Diskussions- bzw. Gästeabend kamen wir zusammen um über das Thema "Bewertung von Arbeit" zu sprechen. Dabei stellte unser Referent seine Gedanken zum Thema Arbeit vor und bezog sich dabei auf das Buch „Feierabend! Warum man für seinen Job nicht brennen muss“ von Volker Kitz.

 

Die Gedanken unseres Referenten wurden lebhaft diskutiert und Sie können diese nun hier nachlesen:

 

Vielleicht erst etwas zu mir, um vielleicht verstehen zu können, warum mich das Thema beschäftigt:

Ich arbeite.

So banal es klingt, vor umso größeren Problemen stellt mich diese Tatsache. Nach 25 Lebensjahren, geprägt von einem Schulsystem, was mich zum Glück nie ausgelastet hat und einem Studium, was zwar arbeitsreicher, aber dafür freier in der Zeiteinteilung war, bin ich jetzt in der rauen Arbeitswelt angekommen. Nicht, dass ich es nicht so wollte, ich habe immer darauf hingearbeitet, da mir das reine Lernen ohne Anwendungsmöglichkeit immer recht sinnlos vorkam. Doch die große Erfüllung hat sich bei mir nicht eingestellt, sondern eher Ernüchterung. Arbeit ist oft monoton bis langweilig, vor allem als Berufsanfänger äußerst anstrengend und wenn man denkt, man hätte es jetzt geschafft, stellt man fest, dass erst Montagabend ist und morgen alles wieder von vorne beginnt. Ich rette auch nicht jeden Tag die Welt und muss feststellen, dass ich jederzeit ausgetauscht werden kann.

Und das sollte es jetzt also gewesen sein? 40-50 Jahre jetzt so abzusitzen ist wirklich keine schöne Vorstellung. Doch ohne Arbeit wird man vermutlich auch nicht glücklich. Dieser Gegensatz zeigt sich bereits in den Gefühlen, die das Wort auslöst. Im Gegensatz zu fast allen anderen Wortpaaren, wie zum Beispiel „Trennung“ und „trennen“, die beide negative Gefühle beim Lesen auslösen oder „Reise“ und „reisen“, die positive auslösen, ist es laut einer Studie über die Wirkung von deutschen Wörtern bei „Arbeit“ und „arbeiten“ anders: Der Begriff „Arbeit“ ruft positive Gefühle hervor, der Begriff „arbeiten“ hingegen negative. Dies führt zur zentralen These des oben erwähnten Buches: Nicht die Arbeit macht unglücklich, sondern die Lügen, die wir uns darüber erzählen. Die Arbeit wird idealisiert, mit großen Erwartungen und Hoffnungen beladen, die die Realität nicht einlösen kann. Diese Desillusionierung kann zu Enttäuschung und Frust oder allgemeiner gesagt, zu negativen Gefühlen führen. Es hilft dabei nichts, mit Biegen und Brechen die Wirklichkeit diesem Ideal anzupassen, die es niemals erfüllen kann. Dadurch wird das Unglück, die Frustration im schlimmsten Fall immer weiter erhöht. Sinnvoll scheint mir ein ehrlicher, sachlicher Umgang mit der Arbeit zu sein, frei von den überzogenen Versprechungen der Stellenanzeigen und Jobangebote, die neben der materiellen Bezahlung auch den Sinn des Lebens anbieten.

Diese Aufladung der Bedeutung der Arbeit scheint ein vergleichsweise modernes Phänomen zu sein: War Arbeit in der Vorzeit Nahrungserwerb und Überlebensstrategie, wurde sie in der Bibel als eine Art Strafe von Gott eingeführt, nachdem Adam und Eva aus dem Paradies (der Arbeitslosigkeit) verbannt wurden. In der Antike bestand das Ideal darin, nicht zu arbeiten, sondern zu Lernen, zu Philosophieren und sicher auch zu Essen und zu Trinken. Die Erhöhung begann erst mit Luther, der sie „Beruf“ nennt, was der geistlichen „Berufung“ nahekommt und den Anschein erwecken könnte, es sei göttlicher Auftrag, Brötchen zu backen oder Haare zu schneiden. Doch ist diese Einstellung angesichts der Banalität der allermeisten Berufe wirklich gesund? Wäre es nicht vernünftiger, Arbeit als simple Notwendigkeit zu betrachten, um Geld zu verdienen und gut über die Runden zu kommen? Die Arbeit selber würde sich dadurch nicht verändern, sondern vermutlich an Qualität gewinnen. Daher möchte ich einige dieser Aufwertungen, im Buch weniger neutral Lebenslügen über das Arbeitsleben genannt, vorstellen und diskutieren.

Glaubt man den Beschreibungen vieler Unternehmen, so werden ihre Produkte und Dienstleistungen nur mit einem hohen Maß an Leidenschaft hergestellt bzw. angeboten. Leidenschaft scheint eine der wichtigsten Eigenschaften zu sein, um die Arbeit gut zu machen. Doch ist das richtig? Arbeitet nur ein leidenschaftlicher Arbeitnehmer gut? Mir scheint es, dass Leidenschaft für ein gutes Arbeitsergebnis auch schaden kann, wenn andere Menschen, Impulse oder Ideen ignoriert werden. Leidenschaft kann zu einer Ignoranz gegenüber Mitarbeitern, Vorgesetzten oder Kunden führen. Wer blind seiner Leidenschaft folgt, kann sich verrennen. Die zahllosen talentlosen Sänger, Models und Schauspieler die in Castingshows oder im Nachmittagsprogramm verschiedener Privatsender zu beobachten sind, geben ein Zeugnis davon. Leidenschaft ist kein Maß für ein gutes Arbeitsergebnis, sondern eine komplett andere Größe. Gute Arbeit braucht auch eine gewisse Distanz, um das eigenen Handeln zu reflektieren, seine Arbeitsweise zu hinterfragen und gegebenenfalls auch zu ändern. Ein leidenschaftlicher Chirurg, der für seine Arbeit brennt, aber den Patienten aus dem Sinn verliert, ist kein guter.

Belastend kann der Leidenschaftszwang werden, wenn durch das ganze Gerede über die Leidenschaft ein Druck aufgebaut wird, dass für die Arbeit Leidenschaft empfunden werden muss. Doch die meisten Menschen brennen nicht für einen Beruf, sie haben sich nicht von klein auf vorgestellt, Müll einzusammeln, am Fließband zu stehen oder Finanzkennzahlen zu überprüfen. Nichtsdestoweniger können gerade diese Menschen ihre Arbeit sehr gut machen und auch eine Befriedigung empfinden, wenn sie ihre Tätigkeit ausüben. Sie müssten sich nur ggf. von der Illusion befreien, dass sie für die Arbeit brennen müssen.

Ein kleinerer, aber ebenso interessanter Punkt, ist die Vorstellung, mit der Arbeit etwas zu gestalten, zu schaffen oder sich ausleben zu müssen. Dies mag bei einem Firmengründer, der mit seinem von ihm entwickelten Produkt das Leben von Millionen beeinflusst, naheliegend sein, bei einem Fließbandarbeiter, der jeden Tag hunderte Male den gleichen Handgriff tätigt, ist dies schwieriger vorstellbar. Doch auch er gestaltet etwas und schafft etwas Neues, er ist Teil in dem hochkomplexen Schaltwerk, was sich unsere Welt nennt, mit all ihren Beziehungen untereinander. Wenn ein Teil stockt, hat es Einfluss auf viele andere. Nur die Art der Durchführung ist mehr oder weniger genau vorgeschrieben. Doch meistens braucht es genaue Vorgaben, wie etwas gemacht wird, damit dieses Schaltwerk nicht ins Chaos zerfällt. Jeder gestaltet etwas, nur nicht unbedingt, wie er es selber machen würde. Sich komplett auszuleben, etwas ohne Vorgaben zu machen, ohne Einschränkungen – dafür ist die Freizeit da.

Jeder Mensch wäre gerne wichtig, er möchte, dass andere zu ihm aufsehen und dass im Büro nichts ohne seine Entscheidungen gehen würde. Doch auch das ist eine Illusion. Wenn die Stelle nach der Pensionierung nicht neu besetzt wird oder wenn trotz langer Krankheit oder Urlaub alles den gewohnten Lauf geht, merken viele erst, dass auch sie ersetzbar sind und ihre Arbeit kein tragender Teil der Abteilung war. Niemand ist unersetzbar und ein realistischer Blick auf diese Tatsache kann vor Enttäuschungen bewahren. Das Wissen um die eigene Bedeutung oder eher Bedeutungslosigkeit kann frei machen vor den eigenen überzogenen Erwartungen und denen der Umwelt.

Der letzte Punkt ist die Sinnfrage. Hat unsere Arbeit einen Sinn? Oder nur bestimmte Art von Arbeit? Sind nur soziale Tätigkeiten sinnvoll, hingegen Arbeiten z. B. in der Bürokratie Zeitverschwendung? Ich komme noch einmal auf das hochkomplexe Schaltwerk von vorhin zu reden kommen. Alles ist miteinander verknüpft, nach der Kleine-Welt-Theorie über maximal 6 andere Personen. Der Entwicklungshelfer muss sich vielleicht seltener fragen, welchen Nutzen seine Arbeit hat, jedoch könnte er nicht arbeiten, wenn nicht jemand seine Spenden verwaltet. Er würde ohne Baumaterialien mit leeren Händen dastehen, doch diese müssen hergestellt, organisiert und transportiert werden. Hierfür braucht es Straßen, die gebaut werden müssen. Für Straßen braucht es Steuergelder, die eingezogen und verwaltet werden müssen. Der Entwicklungshelfer steht quasi nur am Ende der Nahrungskette, doch steht er auf einem riesigen Fundament, ohne dass er komplett nutzlos wäre. Dadurch, dass er so weit oben steht, ist er in gewissem Maße noch viel abhängiger von anderen. Es sind die vielen vermeintlich kleinen Tätigkeiten, die alles erst ermöglichen.

Man könnte einwenden, dass es wirklich viele Jobs gibt, die überflüssig erscheinen. Sei es in der Verwaltung oder auch in manchen Firmen, gibt es Leute, die nur unzureichend Arbeit haben. Nicht umsonst wird spekuliert, ob das sogenannte Boreout-Syndrom, der Zustand andauernder Unterforderung am Arbeitsplatz, nicht häufiger vorkommt als das häufig genannte Burnout-Syndrom, was etwas das Gegenteil beschreibt. Hier zeigt sich aber, dass es wichtig ist, überhaupt Arbeit zu haben, um einen Sinn darin zu finden, nicht welche Tätigkeit genau das ist.

Es gibt noch weitere Punkte, die sich diskutieren lassen können, doch will ich zu einem Fazit kommen: Was bleibt, wenn man die Arbeit von ihrem hochstilisierten Gerüst befreit? Ein Tausch von Lebenszeit gegen Geld, nicht mehr und nicht weniger. Es spricht hierbei nichts dagegen, diese „verkaufte“ Lebenszeit so angenehm wie möglich zu machen und dafür eine gerechte Bezahlung zu erhalten. Auf der anderen Seite muss dafür natürlich auch die Arbeit geleistet werden, für die diese Bezahlung erhalten wird.

Die normale Arbeit ist profan, zwar wichtig, jedoch nicht weltbewegend, jeder ist austauschbar und man muss auch nicht für seine Arbeit brennen, um sie gut zu machen. Ein realistisches Bild von der Arbeit bewahrt uns vor Frustration und kann uns wiederum zu besseren Arbeitern machen. In gewissem Maße lässt sich diese Erkenntnis auch auf die freimaurerische Arbeit übertragen. Nur wenn wir uns, unsere Fähigkeiten mit ihren Stärken und Schwächen, unsere Bedeutung in unserem privaten und beruflichen Umfeld richtig einschätzen, bewahren wir uns vor Enttäuschungen. Hierzu ist das „Erkenne dich selbst“ genauso wichtig wie das „Schaue um dich“. Und auch wer für die Freimaurerei brennt, muss noch kein guter Freimaurer sein.

                                                                                                                                                                                         

Öffentlicher Diskussionsabend zum Thema "Veränderung"

Der Diskussionsabend befasste sich diesen Monat mit dem Thema "Veränderung", denn Veränderung findet immer und überall statt. Wir wollen schließlich ständig etwas verändern. Uns. Unsere Freunde. Die Welt.

 

Doch was ist Veränderung eigentlich? Warum ist sie wichtig und wie kann sie überhaupt funktionieren? Und - welche Rolle kann die Freimaurerei dabei spielen? 

Diese Fragen wurden mit Hilfe des folgenden Impulsvortrages erläutert und anschließend rege diskutiert:

 

Klären wir zunächst die vielleicht leichteste Frage: Was ist Veränderung?

In dem Wort selbst steckt das Wort „ändern“, welches wiederum das Wort „anders“ enthalt. Es geht also darum etwas anders zu machen als es ist. Somit ist es der Versuch den Ist-Zustand in Richtung eines Soll-Zustandes zu bewegen, der dann wiederum ein neuer Ist-Zustand wird. 

Das wäre an sich erst einmal eine einfach Sache. Wirft man einen Blick auf die Synonyme, die für diese einfache Sache verwendet werden, offenbart sich jedoch ein komplexeres Bild. Synonyme für Veränderung sind:

Abwandlung, Korrektur, Modulation, Überarbeitung, Umänderung, Umarbeitung, Umbildung, Umformung, Umgestaltung, Modifikation, Revision, Transformation, Novellierung, Abkehr, Abwendung, Neuerung, Neugestaltung, Neuregelung, Umbruch, Umkehr, Umschwung, Umstellung, Wechsel, Wandel, Wende oder Wendung.

An einer Vielzahl dieser Begriffe lässt sich die Dramatik dieses scheinbar einfachen Prozesses bereits erahnen. Denn Veränderung nicht immer so leicht. Es ist nunmal nicht leicht mit dem Rauchen aufzuhören, öfters Sport zu machen, liebevoller mit sich selbst umzugehen und schon gar nicht die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Was ist aber daran so schwer? 

Menschliches Verhalten erfüllt immer einen Sinn und Zweck. Bestimmte Verhaltensweise haben wir erlernt, denn sie haben uns in bestimmten Situationen immer wieder geholfen. Unser Gehirn hat sich gemerkt: Wenn ich mich so verhalte, passiert folgendes und das ist gut. So ist es sinnvoller der merkwürdig riechenden Tante doch ein Küsschen zu geben um dann ein Bonbon abgreifen zu können als sie hinterrücks mit Deo einzusprühen. Auf eine ähnliche Weise, in Zusammenspiel mit einer gewissen genetischen Prädisposition, hat sich unsere Persönlichkeit entwickelt, die wiederum unsere Verhaltensweisen bestimmt. Eine tiefgreifende Verhaltensveränderung bedeutet somit auch, dass wir in gewisser Weise die Persönlichkeit verändern müssen. 

Was aber immer mitschwingt, ist der benötigte Erfolg. Wo ist mein Vorteil, wenn ich aufhöre zu rauchen? Wo ist mein Benefit, wenn ich meine Mitarbeiter bei Entscheidungen einbeziehe und meine Vorstellungen nicht wie Befehle kommuniziere?  

Und warum sollte ich überhaupt etwas verändern? Wann ist der Punkt erreicht, an dem mir auffällt, dass etwas so nicht mehr weiter geht? Ich gehe davon aus, dass wir unser Verhalten ökonomisch betrachten: 

Erst wenn die Nachteile, die unser Verhalten mit sich bringt, die Vorteile dieses Verhaltens überwiegen, fangen wir an, unser Verhalten anzuzweifeln. Dabei muss sich nicht einmal das Verhältnis der Pros und Contras verändern, sondern lediglich ihre Gewichtung. 

Passend zur Gewichtung, ein Beispiel zum Essen: Ein Mann isst für sein Leben gern Chips. Er ist sich im Klaren darüber, dass Chips essen dick macht und ungesund ist. Er weiß aber auch ganz genau, dass ihn Chips essen sehr glücklich macht. Dieser Mann isst fröhlich weiter Chips und nimmt dabei zu. Für ihn ist das ok, denn sein Verhalten macht ihn ja glücklich. Nun trifft er eine Frau, die ihn sehr beeindruckt. Diese Frau ist gertenschlank, macht viel Sport und hasst Chips. Wie lange wird es wohl dauern, bis er den Konsum von Chips aufgibt? 

Es gibt also eine Lücke zwischen Verhalten und Veränderung. Und es gibt noch weitaus mehr Hürden, die überwunden werden müssen:

Meiner Meinung nach, zeigt das sogenannte Transtheoretische Modell, das von James Prochaska von der University of Rhode Island bereits in den 1990er-Jahren entwickelt wurde, die verschiedenen Stadien von Verhaltensänderung am übersichtlichsten auf.

Das Modell ist aufgebaut wie eine Spirale. Ganz unten befindet sich das Stadium der Absichtslosigkeit. Hier haben Menschen noch keinerlei Absicht etwas zu verändern, auch wenn ein Problem schon existiert oder ein gewisser Druck da ist. 

Im zweiten Stadium erfolgt dann doch eine erste Absichtsbildung. Es besteht also das Vorhaben irgendwann etwas zu verändern.

Im Vorbereitungsstadium planen Personen konkret, demnächst ihr problematisches Verhalten zu ändern und unternehmen erste Schritte in Richtung einer Verhaltensänderung. Sie lesen also vielleicht Bücher zum Thema.

Im nächsten Stadium vollziehen die Personen dann die geplante Verhaltensveränderung und sind somit im Handlungsstadium. Nun wird es schwieriger, denn damit ist noch nicht alles geschafft. Denn nun folgt das Stadium der Aufrechterhaltung. Im Aufrechterhaltungsstadium haben Personen seit einem längeren Zeitraum das problematische Verhalten aufgegeben. Damit ist aber noch nicht alles vorbei, denn das alte Verhalten muss noch dauerhaft aufgegeben werden - also mindestens ein Jahr. Mit diesem Stadium ist das neue Verhalten verinnerlicht und wird sehr wahrscheinlich aufrechterhalten.

Der Aufbau dieser Stadien in einer Spirale, lässt bereits erkennen, dass der Weg immer wieder vor und zurück gehen kann. Es ist also nicht gesagt, dass eine Person diese Stadien alle jemals durchlaufen wird.

Das alles klingt nun nach einer ganzen Menge Arbeit und irgendwie auch gar nicht so hoffnungsvoll. Daher könnte man auch fragen: Ist das denn überhaupt nötig? Sollen wir nicht lieber alle den Ist-Zustand akzeptieren und endlich mal aufhören ständig einem Soll-Zustand hinterherzuhechten? Denn wenn der Soll-Zustand erst einmal erreicht ist, wird er ja zum neuen Ist-Zustand und wir brauchen vermutlich wieder ein neues Soll. Also warum das Ganze?

Vielleicht haben Philosophen ja auf diese Frage mal eine schlaue Antwort:

Fragt man in der Welt der alten Weisen herum, spielt die Veränderung immer wieder eine Rolle:  

„Panta rhei" - alles fließt, sagte bereits Heraklit, einer der ältesten Philosophen, die uns heute noch bekannt sind. Damit wollte er zum Ausdruck bringen, dass alle Dinge im Ausgleich der Gegensätze entstehen würden, dieser Ausgleich aber nie ewiglich herrschen würden und somit immer alles in Bewegung, oder eben in Veränderung, befindlich ist.  

Konfuzius meinte: „Wer ständig glücklich sein möchte, muss sich oft verändern.“ 

Das klingt nach sehr viel Anstrengung und immer glücklich sein, ist nun auch schwer möglich. 

Können wir denn dann nicht aufhören uns zu verändern? 

Ovid meinte kurz und knapp: „Alles ändert sich.“ Das bedeutet, dass auch wenn wir uns nicht verändern, die Welt um uns herum sich verändert. Die Welt um uns herum nimmt wiederum Einfluss auf uns, also müssen wir uns zwangsläufig verändern. Und wenn wir diesen Prozess des Veränderns zwangsläufig mitmachen müssen, können wir uns auch bemühen ihn aktiv mitzugestalten. Und irgendwie tun wir dies auch mit unserem eigenen Verhalten. In dieser Wechselwirkung von Innen und Außen liegt der Kern der Veränderung.

Das bringt mich zu der Frage: Können wir denn auch andere Menschen gezielt verändern, ohne dass wir uns verändern? Ja, das geht. 

Aber dafür müssen einige Vorraussetzungen erfüllt sein und die wichtigste bringt Johann Heinrich Pestalozzi auf den Punkt: „Ihr müßt die Menschen lieben, wenn ihr sie verändern wollt.“

Jeder Therapeut und Pädagoge weiß, dass es immer Möglichkeiten gibt, die Menschen um uns herum zu verändern. Es ist ihr Alltagsgeschäft. Doch ein wichtiger Teil ihrer Arbeit besteht daraus, dass sie verstehen, dass nicht sie die Vorgaben zu Veränderung machen. Nicht sie zeichnen den Weg vor, den andere zu gehen haben, sondern sie erarbeiten ihn gemeinsam mit ihren Klienten. Sie haben verstanden, dass jeder seinen eigenen Weg zu gehen hat.

Und was bedeutet das alles für die Freimaurerei? Die Freimaurerei proklamiert die Veränderung an sich ständig. Der raue Stein soll zum behauenen Stein werden. Es muss also ständig die ursprüngliche Form des Steines verändert werden bis er ein behauener Stein wird. Doch nicht jeder Stein ist gleich und wenn ich ihn nicht mit Vorsicht bearbeite, ihn genau studiere und auch seine Grenzen akzeptiere, dann wird aus ihm niemals ein behauener Stein, der seinen Platz in der Welt, oder maurerisch gesprochen, im Bau des Tempels der Humanität, finden kann.

 

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Freimaurerei und Spekulation in postfaktischen Zeiten

Am gestrigen Abend, den 14. Februar 2017, hielt unser Br. Wolfgang Heilmann einen spannenden Vortrag zum Thema "Freimaurerei in postfaktischen Zeiten". In diesem wagt er den Versuch die Freimaurerei in unserer heutigen Zeit zu verorten und sie als einen Ort des Austauschs in einer turbulenten Zeit zu zeichnen. 

 

Den gesamten Vortrag finden sie hier zum Download.

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Freimaurerei und Spekulation in postfaktischen Zeiten
Vortrag von Wolfgang Heilmann.
Freimaurerei und Spekulation in Post fak
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Öffentlicher Vortrag: "Freimaurerei und Arbeit"

Im Rahmen eines öffentlichen Vortrages stellte unser Br. Redner seine Gedanken zum Thema "Freimaurerei und Arbeit"  vor. In diesem Vortrag verfolgte er mehrere Ansätze, wie Freimaurerei und Arbeit zusammenhängen, die dann gemeinsam diskutiert wurden. Diesen Vortrag können Sie hier nachlesen:

 

"Wir Freimaurer sprechen gerne von Arbeit. Wir verwenden beispielsweise Begriffe wie Tempelarbeit oder Festarbeit, deren Termine wiederum im Arbeitskalender festgehalten werden. Am liebsten sprechen wir jedoch von der Arbeit an uns selbst. Das Sinnbild des rauen Steins an dem gearbeitet werden muss begegnet uns immer wieder. Mit diesem bearbeiteten Stein, arbeiten wir dann weiter an dem Tempel der Humanität. Also auch hier wieder: nur Arbeit… 

 

Ich möchte mich heute Abend ein wenig näher mit dem Begriff der Arbeit beschäftigen, aber vor allem darüber sprechen, was die Arbeit an uns und somit die Arbeit am Tempel der Humanität mit der alltäglichen Erwerbstätigkeit zu tun hat. 

 

Den Begriff der Arbeit wirklich zu durchdringen fällt schwerer als man vielleicht erwartet. 

 

So unterscheiden sich die Tätigkeiten einer Hausfrau (und natürlich auch die eines Hausmannes) inhaltlich von denen eines Buchhalters, Bauarbeiters oder Sozialarbeiters. Vor allem aber erhält die Hausfrau keinen Lohn für Ihre Tätigkeit. Ist nun Arbeit nur etwas, für das man auch bezahlt wird? Also ein Mittel zum Zweck um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten?

 

Geht man in der Geschichte der Arbeit zurück, wird es erst etwas einfacher. Arbeit war zuallererst einmal eine körperliche Tätigkeit, die der Sicherung der Lebens(-unterhaltes) diente. So mussten die, die es nicht nötig hatten, auch gar nicht arbeiten und konnten sich den wichtigen Dingen des Lebens widmen: Beispielsweise der Kunst oder der Philosophie. 

 

Erst mit dem Erstarken des Christentums begann die Diffamierung von körperlicher Tätigkeit nachzulassen. Besonders prägend ist hierbei der Ausspruch des Paulus’: „Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen.“ Martin Luther berief sich in seiner Schrift "An den christlichen Adel deutscher Nation" ausdrücklich auf diesen Paulus-Satz und erklärte Müßiggang zur Sünde: "Müßiggang ist Sünde wider Gottes Gebot, der hier Arbeit befohlen hat. Zum anderen sündigst du gegen deinen Nächsten.“ Arbeit ist nun auch nicht mehr nur eine reine körperliche Tätigkeit, sondern sie schließt auch immer mehr geistige Tätigkeiten ein. Und Arbeit wird nun also auch zu etwas, das von allen erwartet wird und wiederum für alle gut ist. Diese Gedankengang wird immer stärker im 17. und 18. Jahrhundert und so wird von Thomas Hobbes Arbeit zum ersten Male als Quelle des gesellschaftlichen Reichtums hervorgehoben. 

Auch der letzte große Philosoph der Aufklärung, Friedrich Hegel, sieht in der Arbeit wesentlich mehr. Für Hegel ist Arbeit weitaus mehr als bloßer Mittel zum Zweck. Für ihn hat die Arbeit auch einen Wert in sich, denn sie bildet den einzelnen Menschen. Darüberhinaus kommt die Tätigkeit selbst, sowie der daraus entstandene Verdienst, der Gesellschaft zugute. 

 

Und diese zwei Gedanken Hegels sind es, die, meiner Meinung nach, entscheidend sind für eine zentrale Frage des heutigen Abends: Was hat die Arbeit an uns mit der alltäglichen Erwerbstätigkeit zu tun?

 

Zum einen ist es der Gedanke, dass Arbeit uns bildet und zum anderen, dass Arbeit der Gesellschaft zugute kommt.

 

Den Bildungsbegriff bei Hegel hier weiter auszuführen, würde für heute Abend ein wenig zu weit führen, doch möchte ich ihn im Sinne von „Formen“ verwenden. Arbeit formt uns als Mensch. Überträgt man den Gedanken einmal in die heutige Zeit, finden sich einige Aspekte, die diese Idee unterstützen. Schließlich beginnen wir unsere ersten Schritte in der Arbeitswelt mit einer Ausbildung. Diese Ausbildung verändert zum Teil auch unsere Sichtweise auf die Welt und unser Verhalten zu ihr. Lasse ich mich beispielsweise zum Polizeibeamten ausbilden werde ich mich vermutlich anders entwickeln als wenn ich eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten beginne. Darüberhinaus erfordern die meisten Berufe eine permanente Weiterentwicklung, damit ich diesen Beruf weiter gut ausüben kann. Ein Richter sollte über die aktuelle Gesetzeslage genau so gut informiert sein wie ein Kaufmännischer Angestellter über die Funktionsweisen der neusten Version von Microsoft Excel. 

 

Doch egal welche Art von Lohnarbeit ich verrichte, ich trage meinen Teil zum Funktionieren unserer Gesellschaft bei. Ein Teil meines Lohnes fließt in die Sozialsysteme und den weiteren Teil lasse ich in die Wirtschaft fließen indem ich konsumiere. Dieser Konsum sorgt wiederum dafür, dass andere Menschen Arbeit haben, die wiederum ihre Anteile in die Systeme fließen lassen. Ich trage also etwas dazu bei, dass es uns als Gesellschaft gut geht.

 

Soviel zu den philosophischen Überlegungen zur Arbeit und wie sie uns nützen kann. Doch was ist mit der Praxis? Könnte man aus diesen Thesen nun schließen, dass es, gesamtgesellschaftlich betrachtet, doch am besten für alle wäre, einen möglichst gut bezahlten Job zu bekommen? 

 

Sehen wir uns diese Berufe einmal an:

Zu den bestbezahlten Berufen gehören in Deutschland (je nach Statistik) Unternehmensberater, Vorstandsmitglieder von Aktien-Gesellschaften, Juristen, Ärzte, Investmentbanker, Marketing- und Vertriebsleiter sowie Ingenieure. 

Diese Menschen, würden laut der These, also am meisten für die Gesellschaft tun.

 

Zum Vergleich dazu eine Auswahl der am schlechtesten bezahlten Berufe, die dementsprechend am wenigsten für die Gesellschaft tun würden: Friseure, Kellner, Kassierer, Pflegekräfte, Arzthelferinnen, Berufskraftfahrer, Hausmeister und Handwerker.

 

Ich denke, damit ist deutlich geworden, dass der Nutzen einer Tätigkeit nicht nur von der Bezahlung abhängt. Unsere Gesellschaft würde schließlich beim besten Willen nicht funktionieren, wenn wir alle Vorstandsmitglieder eines DAX-Unternehmens wären und niemand sich um uns kümmert, wenn wir alt sind. Mit diesem Hinweis möchte ich beim besten Willen keine Diskussion über Lohngerechtigkeit vom Zaun brechen, sondern lediglich darstellen, dass die Frage nach einer „wertvollen“ Arbeit nicht ganz so leicht zu beantworten ist.

 

Ist es denn nun demzufolge egal, welche Tätigkeit ich ausübe um am vielgelobten „Tempel der Humanität“ zu arbeiten und einen Beitrag zu einer besseren Gesellschaft zu leisten? Reicht es nicht, wenn ich brav meine Steuern und Sozialabgaben zahle und an Weihnachten möglichst viel Geld für Geschenke ausgebe um die Wirtschaft fleißig anzukurbeln?

 

Ich denke, es ist nicht egal, welche Tätigkeit ich ausübe. Wie ich gezeigt habe, macht Arbeit etwas mit uns. Somit können wir doch auch etwas mit unserer Arbeit machen. Wir können Sie nutzen um etwas zu verändern, denn wir können Sie uns in vielen Fällen zumindest erst einmal aussuchen. Sicher nicht jeder in vollem Umfang, aber bis zu einem gewissen Grad können wir mitbestimmen, welche Tätigkeit wir für welches Unternehmen ausüben wollen. Wenn ich ein guter Programmierer bin, muss ich nicht zwingend eine Software für VW schreiben. Wenn ich ein guter Verkäufer bin, muss ich mich nicht zwingend in die Dienste eines Rüstungskonzernes begeben. Schon gar nicht, wenn ich als Freimaurer an einer besseren, toleranteren oder menschlicheren Gesellschaft arbeiten möchte.

 

Ich erwarte nicht, dass wir als Freimaurer nun alle anfangen für eine gemeinnützige Organisation unserer Wahl zu arbeiten. Ich frage mich nur, inwieweit wir unsere alltägliche Arbeit als etwas ebenso wichtiges begreifen wie unsere Tempelarbeiten und die Arbeit an uns selber. Und ob es da nicht Möglichkeiten gibt, diese Arbeiten zu vereinen und wo die Grenzen dafür liegen. Wir verbringen etwa 37 Jahre unseres Lebens im Beruf. Im Laufe eines normalen Arbeitslebens hat ein Mensch in Deutschland etwa 61.283 Stunden gearbeitet. Zeit, die wir sicherlich gut nutzen können um etwas zu verbessern."

 

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Ein neues Maurerjahr beginnt

Gestern, am 06. September 2016, fand unser erstes Treffen im neuen Maurerjahr 2016/2017 statt. Nach unserer zweimonatigen Sommerpause kamen die Brüder unserer Loge zu einem "Brüderlichen Beisammensein" zusammen um sich über die letzten Monate auszutauschen und sich Gedanken über das kommende Jahr zu machen. 

 

Das kommende Jahr beginnt bereits sehr spannend nächste Woche Dienstag, den 13. September 2016, mit einem Doppelvortrag zweier Brüder, die gegensätzlicher Meinung sind. Das Thema dazu lautet: "Symbole - Sinn oder Unsinn?". Einer der beiden Referenten ist ein ausgesprochener Symbolfan und sieht in Symbolen eine absolute Notwendigkeit - nicht nur auf die Freimaurerei bezogen. Der zweite Referent sieht dies eher gegenteilig und wird seine Sichtweise dazu darlegen. So erwartet uns nicht nur ein Diskussionsabend mit einem spannenden Thema, sondern auch ein Beispiel für den Umgang mit Gegensätzlichkeiten innerhalb der Freimaurerei. Gäste sind uns an diesem Abend herzlich willkommen, denn Symbole finden sich nicht nur in der Freimaurerei, sondern sie begegnen uns überall. 

 

Darüberhinaus erwarten uns diese Jahr Vorträge zu den Themen "Öffentliches Risikobewusstsein", "Arbeit und Freimaurerei" und "TTIP". Die aktuellen Daten entnehmen Sie bitte unserem Internetkalendar oder laden Sie sie hier herunter.

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Öffentlicher Diskussionabend: "Zwischen Rausch und Verantwortung"

 

Gestern Abend (14. Juni 2016) fand unser öffentlicher Diskussionsabend statt. Thematisiert wurde dieses Mal der Umgang einer Gesellschaft mit Rauschmittel. Der Referent, der beruflich regelmäßig mit diesen Stoffen, ihren Wirkungsweisen und ihren Folgen zu tun hat, gab einen ersten Überblick über das gesamte Spektrum der Drogen. Anschließend näherte er sich der Frage, wie wir als aufgeklärte und verantwortungsbewusste Bürger mit solchen Stoffen umgehen können und in wie weit der Staat in diesen Bereich eingreifen sollte oder ob Freiheit nicht doch ein noch höheres Gut darstellt als der Schutz vor sich selber. Diese Fragen wurden eingehend und lebhaft mit allen Anwesenden diskutiert.

 

Den einleitenden Vortrag können Sie in gesamter Länge hier nachlesen:

 

"Dieser Monat ist wieder Drogenmonat. Denn der neue Drogenbericht der Bundesregierung ist da. Es wird geredet über Jugendliche, die sich wieder weniger ins Koma saufen, über Manager, die wieder mehr koksen und über Kinder, die schon früh vom Computer abhängig werden. Und dann wird da auch immer mehr gekifft.

Warum tut da eigentlich niemand was? Warum ist die Politik machtlos? Und sollte da eigentlich wirklich überhaupt jemand etwas tun? 

Im Februar forderte der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan, dass alle Drogen weltweit legalisiert werden sollten. Und mehr noch: Der Staat sollte die Drogen sogar noch beschaffen und den Konsumenten zugänglich machen. Warum sollte der Staat das tun? Hatte Kofi Annan vielleicht selber ein wenig zu viel konsumiert? 

 

Doch bevor wir uns diesen sehr weit reichenden Fragen widmen, vielleicht ein wenig Grundlagenforschung:

Als Droge gilt, nach Definition der Weltgesundheitsorganisation, jeder Wirkstoff, der in einem lebenden Organismus Funktionen zu verändern vermag. Das gilt dann für den im Tabak enthaltenen Wirkstoff Nikotin genauso wie für das im Kaffee enthaltene Koffein. Wikipedia beschreibt Drogen als „im deutschen Sprachgebrauch verwendete Bezeichnung für stark wirksame psychotrope Substanzen und Zubereitungen aus solchen.“ Und weiter: „Allgemein weisen Drogen eine bewusstseins- und wahrnehmungsverändernde Wirkung auf.“

Die bekanntesten sind Tabak, Heroin, Alkohol, Cannabis, LSD, Kokain sowie Amphetamine wie Speed, Ectasy und Crystal Meth.

Am beliebtesten sind unangefochten immer noch Alkohol und Tabak, auch wenn der Konsum leicht zurückgeht. 

Doch stolze 9,7 Liter reinen Alkohol tranken die Deutschen durchschnittlich im Jahr 2013. Das entspricht etwas einer Badewanne von 137,2 Liter voll mit alkoholischen Getränken. Darin enthalten sind 106,6 Liter Bier, 21,1 Liter Wein, 5,5 Liter Spirituosen und 4,0 Liter Sekt.

Etwa 74.000 Menschen sterben im Jahr an den Folgen ihres riskanten Alkoholkonsums.

An den direkten Folgen des Rauchens sterben etwa 110.000 Menschen in Deutschland pro Jahr. Zusätzlich geht die Drogenbeauftragte der Bundesregierung von etwa 3.300 Todesfällen durch Passivrauchen aus.

Am Konsum illegaler Drogen starben in Deutschland im vergangenen Jahr 1.226 Menschen. Die meisten dieser Tode gingen auf das Konto von Heroin.

 

Doch warum nehmen Menschen Drogen? Warum trinken wir Alkohol? Warum rauchen wir? 

Es gibt viele, auch viele gute Gründe, Drogen zu nehmen und sich zu berauschen. Alkohol zum Beispiel erleichtert die Kontaktaufnahme zu anderen und entspannt. LSD bewirkt ein Gefühl, mit allem eins zu sein sowie ein tieferes Verständnis „von den Dingen“, das Gefühl von einer die Ahnung einer „höheren Wirklichkeit“ und dem „Gefühl allumfassender Liebe“ - Gefühle, die wir Freimaurer doch in gewisser Weise suchen.

Doch auch wenn es viele gute Gründe gibt sich zu berauschen, gibt es leider wie bei allem im Leben ein paar Nachteile.

Alkohol ist ein Nervengift und greift den gesamten Körper an, LSD kann latent vorhanden psychische Erkrankungen auslösen, oder ich kann auf dem Trip hängenbleiben und kann nicht mehr zwischen Realität und Halluzinationen unterscheiden.

Und wenn es dann auch noch richtig schiefgegangen ist, habe ich eine Abhängigkeit entwickelt. Von einer Abhängigkeit spricht man, wenn jemand unter dem Zwang leidet mit Hilfe von bestimmten Substanzen oder bestimmten Verhaltensweisen, belastende Gefühle zu vermeiden. 

Die meisten Süchtigen sind unter den Rauchern zu finden: Etwa 14,7 Millionen Menschen, 1,8 Millionen Menschen sind alkoholabhängig und etwa 2,3 Millionen Menschen sind vermutlich von Medikamenten abhängig. Rund 600.000 Menschen weisen einen problematischen Konsum von illegalen Drogen auf, weit verbreitet ist hier vor allem Cannabis.

 

Wenn wir also bereits jetzt ein so großes Problem mit den Drogen haben, die jederzeit verfügbar sind, warum sollten dann auch noch die bis jetzt illegalen Drogen legalisiert werden? Fallen dann nicht alle auf einmal über diese neue Droge her und fröhnen einem ausgelassenen Hedonismus?

 

Sehen wir uns das ganze mal am Beispiel von Cannabis an:

Etwa 22% der Europäer (ca. 75 Mio.) haben in ihrem Leben bereits einmal Cannabis konsumiert. Somit ist Cannabis keine unbekannte und besonders schwer zu beschaffende Droge, sondern eine, die in der Gesellschaft angekommen ist (oder sogar schon immer da war?). Viele Länder dieser Welt gehen mittlerweile offen damit um und gehen zu einer liberalen Politik über. Unsere niederländischen Nachbarn haben bereits 1976 mit einer Entkriminalisierung begonnen und können nun auf 30 Jahre Erfahrung mit dieser Form der Politik zurückblicken. Dabei zeigt sich, dass der Straßenhandel massiv zurückgegangen ist und dass zusätzliche Steuereinnahmen in dreistelliger Millionenhöhe generiert wurden. Gleichzeitig wurde der Anteil der neuen Konsumenten oder Süchtigen jedoch nicht erhöht. Diese Erfahrungen machten bis jetzt nicht nur die Niederländer sondern auch Länder, die ebenfalls eine liberale Form des Umgangs mit Cannabis pflegen, auch wenn ihre Erfahrungen bis jetzt noch nicht so weitreichend sind.

 

Anscheinend sind Menschen doch in der Lage mit einem berauschenden Mittel verantwortungsbewusst umzugehen und müssen nicht von einem übereifrigen Staat bevormundet werden. Drogen wurden immer konsumiert und werden auch weiterhin konsumiert werden. Die Frage ist nur, welche Droge wird das sein? Ich denke, dass jede Zeit ihre eigene Droge mit hervorbringt und der Umgang mit dieser immer wieder neu erlernt werden muss. Schließlich wollen wir doch, dass unsere Mitmenschen verantwortungsbewusste und mündige Bürger ihres Landes sind. Dass man Entscheidungen treffen kann, die diese beiden Adjektive verdienen, bedeutet, dass ich voll und ganz über die positiven und negativen Folgen Bescheid weiß und auch Erfahrungen machen kann, die mich an - und manchmal auch über - meine Grenzen bringen. Es bedeutet auch, dass ich meinen persönlichen Rückzugsraum haben darf, den mir keiner nehmen darf, solange ich niemanden anderen gefährde. Ich glaube, es gibt für jeden Menschen eine bestimmte Form von Rausch, die ihm etwas bedeutet, die ihn wieder runterholt, ihn entspannt, ihm neue Möglichkeiten eröffnet. Ob das nun unbedingt eine Droge sein muss, ist eine ganz andere Frage, aber sollten wir Menschen die diese Weg für sich gehen möchten, auch noch versperren? Und wenn wir ihn versperren, bewirkt es wirklich, dass Menschen diesen Weg nicht gehen? Sollten wir nicht vielleicht unterstützende Maßnahmen einleiten, die Menschen dazu befähigen verantwortungsvoll mit Suchtmitteln umzugehen? Sollten wir „Rauschseminare“ anbieten, in denen - unter Anleitung und im passenden Rahmen - mit solchen Mitteln experimentiert wird? Oder sollten wir dem ganzen einen Riegel vorschieben, einfach alle Rauschmittel, inklusive Tabak und Alkohol, an den Pranger stellen und diese verbieten? Sollten wir dafür sorgen, dass alles, was der Gesundheit schadet, verboten wird und wenn das nicht geht, zumindest an allen McDonalds-Fillialen einen Warnhinweis aufkleben? 

 

Ich hoffe ihr seht, dass der Umgang einer Gesellschaft mit dem Thema auch etwas damit zu tun haben kann, wie viel Freiheit man seinen Bürgern lässt und wie viel Verantwortung man ihnen zutraut. Versteht mich nicht falsch, ich bin nicht der Überzeugung, dass wir nun alles frei zugänglich machen sollten und jeder 15-Jährige sich an der Straßenecke Heroin kaufen kann. Doch ich bin der Meinung, dass wir uns fragen sollten, ob ein aufgeklärter Mensch nicht auch in der Lage sein sollte, mit einem Sicherheitsnetz versehen, auch mal einen kleinen Sprung zu wagen."

 

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Öffentlicher Diskussionsabend: Flüchtlingskrise - Humanistische und demokratische Herausforderung

Diesen Dienstag (10. Mai 2016) diskutierten wir zum ersten Mal im öffentlichen Rahmen die Flüchtlingskrise. Wie immer bei unseren Diskussionen ging es nicht darum Lösungen zu finden, sondern sich auszutauschen - auch über brisante Themen, die viele gegensätzliche Positionen evoziert. Doch wollen wir zeigen, dass es möglich ist, sich auch bei solchen Themen respektvoll zu begegnen. Den Impulsvortrag lieferte unser stellvertretende Redner Wolfgang Heilmann, der viele Punkte ansprach, die es wert waren ausgiebig diskutiert zu werden. Hier der Vortrag in voller Länge:

 

 

 

 

"Ich kann es einfach nicht mehr hören…"

Diese spontane Reaktion war und ist häufig zu vernehmen, wenn es um Flüchtlinge, Asyl und Grenzsicherung geht. Aber Überdruss allein hat noch kein Problem behoben. unreflektierter Überdruss führt zu unreflektierten Ergebnissen, zum Beispiel an der Wahlurne. Das Thema ist brisant, gefährlich eskalativ, der Stoff, der aus Freunden Gegner macht und umgekehrt, der Stoff, aus dem brennende Flüchtlingsheime entstehen. Das Thema ist aber auch ein Paradebeispiel dafür, wie schwankend, wie unkalkulierbar des Volkes Stimmung ist. 

 

Erinnern wir uns nur acht Monate später noch an die anscheinend mehrheitliche, euphorische Hilfsbereitschaft, dieses eigentümliche Gemenge von Gefühl und Nüchternheit, Überzeugung und Stolz, die das „Wir schaffen das“ der Kanzlerin geprägt haben, das wärmende Empfinden, in der Weltöffentlichkeit endlich wieder „der gute Deutsche“ zu sein. Vergangenen Dezember wurde Merkel vom Time Magazin als Person des Jahres 2015 ausgezeichnet, als „Kanzlerin der freien Welt". Zitat: 

 

"Bei Merkel schwang ein anderer Wertekanon – Menschlichkeit, Güte, Toleranz – mit, um zu zeigen, wie die große Stärke Deutschlands zum Retten statt zum Zerstören genutzt werden kann. Es ist selten, einem Anführer bei dem Prozess zuzusehen, eine alte und quälende nationale Identität abzulegen." 

 

Kommentar von Donald Trump, der sich um einen verdienten ersten Platz in der Rangliste geprellt fühlte: 

 

"Sie haben die Person ausgewählt, die Deutschland ruiniert." 

 

Eine Meinung, in der sich heute viele Deutsche wiederfinden. Der Wahlkampf in 3 Bundesländern… Verrückte Welt. Christdemokraten und christlich Soziale gehen auf Distanz zu ihrer Kanzlerin, wo sich Sozialdemokraten und Grüne mit ihr solidarisieren? Eine AfD, der Wahlstimmenanteile zugetraut werden, von denen die NPD nur hätte träumen können, die zurzeit vor dem Bundesverfassungsgericht ums Überleben kämpft. 

 

Zweckbündnisse, die zuvor undenkbar erschienen. Seehofer mit Putin, Merkel und die EU mit Erdogan? 

 

Der Amerikaner Samuel Huntington machte 1996 also bereits vor 20 Jahren mit seinem Buch „Clash of Civilisations“ Furore. Heute hat sein Albtraum vom Untergang der westlichen Zivilisation und dem Erstarken der islamischen Kultur einen demographischen Ansatz: Einwanderung und Asyl. 

 

Die einen propagieren die Schließung der Grenzen, vor allem die Schließung der Balkanroute als Rettung des Abendlandes, die anderen sind plakativ empört, aber innerlich hochzufrieden darüber, dass faktisch der Flüchtlingsdruck am Stacheldraht versickert. 

 

Über 1 Million neue Flüchtlinge in Deutschland im Jahr 2015. Damit hat niemand gerechnet, auch nicht die Kanzlerin und die Fortschreibung solcher Zahlen stimmt auch überzeugte Flüchtlingshelfer nachdenklich. Wo soll das enden? Die Beantwortung dieser Frage darf man nicht der AfD überlassen, aber zurzeit sind die etablierten Parteien erschreckend sprachlos. Aktionsalismus ersetzt Nachdenklichkeit und Argumentation. 

 

Ich kann und möchte keine Lösung liefern, aber ich möchte Eure Meinungen, Eure Haltungen zu diesem Thema erfahren. Die Freimaurerei ist durch die Idee des Humanismus geprägt. Unserer Arbeit wäre nur halb getan, wenn wir gefühllos blieben gegen die Not um uns her. Wenn das Thema Flüchtlinge kein Lackmustest für unsere Ideale ist, welches andere dann? Wir sind mit der offenen Diskussion und Erörterung ziemlich spät dran. Der öffentliche Druck der Flüchtlingsströme an unseren Grenzen ist spürbar geringer geworden, ohne dass unsere Regierung dazu etwas nachhaltig Überzeugendes beigetragen hätte. Das Thema Asyl ist nicht mehr der Dauerbrenner in den Schlagzeilen, der Schock der Silvesternacht in Köln und der drei Landtagswahlen vom 13. März sind abgeklungen. Es besteht begründete Hoffnung, sich etwas leidenschaftsbegrenzter mit dem Thema auseinanderzusetzen. 

 

Im allgemeinen Wortgebrauch bedeutet Asyl gewähren, einem in Not geratenen Menschen eine Zuflucht, ein Obdach gewähren. Bis ins Mittelalter waren Asyle Orte christlicher Nächstenliebe, meistens im Rahmen einer Klostergemeinschaft oder einer Missionsstation. Im modernen politisch, juristisch geprägten Wortgebrauch betrifft das Asyl indessen nur Flüchtlinge, d.h. Menschen, die in ihrem Herkunftsland wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politischen Überzeugung verfolgt werden. Damit werden ausgenommen Personen, die vor einer wirtschaftlichen Not, vor Hunger und Obdachlosigkeit fliehen. Warum die politisch Verfolgten eher unserer Hilfe und Nächstenliebe bedürfen sollen als die Hungernden, lässt sich unter humanitären Gesichtspunkten nicht begründen, hat seine Ursache vielleicht darin, dass man gemeint hat, die Zahl politisch Verfolgter durch geeignete Definitionen und die politische Festlegung so genannter sicherer Herkunftsländer eher in den Griff zu bekommen. 

 

Asylpolitik ist ein Brennspiegel des modernen Menschen, seiner Gesellschaften, deren Befindlichkeiten und politischer Hilflosigkeit. Lob und Tadel liegen verdammt nah beieinander. Im September 2015 waren wir überwiegend stolz auf unsere Kanzlerin, deren selbstbewusstes „Wir schaffen das“ auf einen Sturm von Hilfsbereitschaft traf, den die Welt den deutschen Erbsenzählern nicht zugetraut hätte. Das Verfallsdatum guter Taten ist indessen erschreckend kurz, zumal wenn man im Überschwang humanistischer Regungen deren Spätfolgen vernachlässigt. Der Preis ist dann ein überschäumender Stammtisch, mit Seehofer und AFD als Trittbrettfahrer und Brandbeschleuniger. 

 

Wir haben den Sozialstaat, dessen unmittelbare Nutznießer eifersüchtig über ihre Pfründe wachen, die Zuwanderung (nicht nur die Spielart der Asylanten) als Belastung der letztendlich nicht beliebig steigerbaren Ressourcen empfinden, an dessen Höhe und Verteilungsmodus man sich doch schon so gewöhnt hat. Mehr und länger lebende Rentner bedeuten niedrigere Renten. Mehr Asylanten bedeuten mehr Wettbewerb um Sozialleistungen und Wohnraum und damit letztendlich Abstriche für die derzeitigen Leistungsempfänger, so die Logik nicht nur der Straße, sondern auch eines oberflächlich besorgten Vizekanzlers. 

 

Politiker sind eine viel verachtete, viel gescholtene Spezies. Wen wundert es, dass sie zunächst überwiegend und parteiübergreifend die Gelegenheit ergriffen haben, sich einmal als „Menschen“ zu zeigen. Das Wort „Gutmensch“ ist allerdings zwischenzeitlich eher zu einem Schimpfwort degeneriert und so rudert man wieder vorsichtig zurück, was man als bessere Einsicht verkaufen möchte, aber irgendwie schon nach opportunistischen Fähnlein im Winde der Volkswut riecht. 

 

Beim Asyl prallen Ideal und Wirklichkeit, Humanismus und Abgrenzung, politische Verantwortung und der Zorn der Straße ziemlich heftig aufeinander. 

 

Die Ambivalenz ist dabei hausgemacht. Jahrzehntelang haben unsere Politiker geleugnet, dass wir ein Zuwanderungsland seien. Da hatten andere Nationen längst eine realistischere Betrachtung und vor allen Dingen eine durchdachte gesetzliche Regulierung der Migration gewonnen. Nomen Est Omen. Wir Deutschen haben kein Einwanderungs- oder Zuwanderungsgesetz, sondern - getrennt - ein Aufenthaltsgesetz und Asylgesetz. Der Ausländer ist etwas Fremdartiges, als Urlauber oder Investor, allenfalls noch als von unseren Unternehmen dringlich benötigter, qualifizierter Mitarbeiter willkommen, aber ansonsten möglichst weg zu regulieren. An EU-Bürger hat man sich gewöhnt, obwohl sie ja an und für sich auch Ausländer sind. Aber wir haben die Grenzen unserer my home is my castle Mentalität einfach EU erweitert. Multikulti hat infolge islamistischen Terrors ohnehin seinen romantischen Charme deutlich eingebüßt.

Humanismus, Menschenliebe, Hilfsbereitschaft in der Not oder Abgrenzung, Erhalt eines Bevölkerung-Status quo, der bereits jetzt als verbesserungswürdig empfunden wird, bei negativem Bevölkerungswachstum. 

 

Die ungerechte und wachsende Kluft zwischen Arm und Superreich in unserem Land empört die Straße evident deutlich weniger als die Aussicht mit zugewanderten anderen Armen konkurrieren zu müssen. Dass die Superreichen abgeben sollen, beispielsweise über eine gerechtere Versteuerung von Kapitaleinkünften oder eine spürbare Erbschaftssteuer, erscheint weniger naheliegend, als dass der Import von neuen Hungerleidern zu unterbleiben habe. Es geht auch nicht wirklich um Kriegsopfer, Kriegsflüchtlinge. Es geht um die Abwendung von Völkerwanderungen der Ärmsten zu den Sozialtöpfen der reichen Nationen. Versteht mich nicht falsch: Das ist völlig legitim, die Sorge um materielle Überforderung unseres Sozialstaates. Aber man soll das Kind dann auch ehrlich beim Namen nennen. 

 

Man soll die verdammte Bigotterie einstellen. Den guten Deutschen herauskehren, Ungarn, Österreich und die Balkanstaaten wegen deren sachlich durchaus naheliegender alternativen Grenzpolitik schelten und gleichzeitig die versiegenden Flüchtlingsströme als unmittelbare Folge dieser Sperrung der Balkanroute als erholsame Entlastung wertschätzen. Das ist genauso unredlich wie der Deal mit Erdogan. Ehrlichkeit und Realismus, schlichtes Verwaltungshandwerk tun Not. 

 

Ganze Völker, Volksmassen sind unterwegs auf der Suche nach einer neuen Heimat, weil die alte ihnen nur Krieg, Armut und Not bietet, eine Zukunft verweigert. Dies gilt es zu unterbinden bzw. so weit zu regulieren, dass nicht die Zielländer überfordert und mit in den Abgrund gezogen werden. 

 

Entwicklungshilfe und militärische Interventionen in Fluchtländern können aus vielfältigen Gründen die Zuwanderungsbewegungen weder verhindern noch wesentlich eindämmen. Sie sind wichtig, aber nicht geeignet, uns die Frage zu ersparen: Wie viel Zuwanderung wollen/können wir uns leisten?

Grenzen haben eine staatstragende Funktion. Ich darf, ich muss ungeregelte, anonyme massenhafte Grenzübertritte unterbinden. Diese Erkenntnis zu leugnen, kann sich nur ein Land leisten, dass keine Außengrenzen der EU aufweist oder dessen Grenzen jenseits aller gebräuchlichen Flüchtlingsrouten liegen. Die Freizügigkeit innerhalb der EU und die damit verbundenen Vorteile europäischer Unternehmen im Binnenverkehr können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Staatsgrenzen notwendig sind und auch die Funktion erfüllen müssen, ungewollte, gesetzwidrige Grenzübertritte möglichst zu verhindern. Man sollte also mit der Dämonisierung von Grenzen und Grenzsicherung aufhören. Die aktuelle Lage ist für Deutschland im Grenzbereich ziemlich bequem. Die „bösen Hardliner“ in Europa haben die Balkanroute unterbrochen. Sie übernehmen die undankbare Rolle, Flüchtlingsströme, die sie auf ihrem Staatsgebiet nicht, auch nicht vorübergehend, dulden wollen, notfalls mit Gewalt an einer Grenzüberschreitung zu hindern. Sie treffen die bösen Bilder von Tränengasgranaten auf Frauen und Kinder. Unsere eigene Landesgrenze ist nicht gefordert, solange diese Zustände (formal beanstandet) fortbestehen. Österreich und die Balkanstaaten handeln rational und regelkonform, werden aber ein wenig scheinheilig als „bad guys“ gehandelt. 

 

Unser Ruf als beamten- und bürokratiestarke Nation nimmt Schaden, wenn es nicht gelingt, Asylbewerber zeitnah und zuverlässig zu registrieren und die Verfahren rechtsstaatlich und zeitnah abzuschließen. Integration, Sprachförderung, örtliche Verteilung der Asylbewerber sind organisierbar. Hier klaffen Lücken zwischen Anspruch und Wirklichkeit, die nicht weniger befremden als der Zustand unserer Straßen, Brücken, Schulen oder auch der Zustand der Ausstattung der Bundeswehr. Es verbreitet sich der Eindruck mangelnder Voraussicht, Planung und exekutiver Elementarfähigkeiten. 

 

Juristisch ist das Problem hingegen in den Griff zu bringen. Nach einem sprunghaften Anstieg der Asylbewerber in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren wurde das bis dahin schrankenlos gewährte Asylgrundrecht neugestaltet: 

 

Ausländer, welche über einen Staat der Europäischen Union oder einen sonstigen sicheren Drittstaat einreisen, können sich nicht auf das Asylrecht berufen (Art. 16a Abs. 2 GG). 

 

Bei bestimmten Herkunftsstaaten (sog. sichere Herkunftsstaaten) kann vermutet werden, dass dort keine politische Verfolgung stattfindet, solange der Asylbewerber diese Vermutung nicht entkräftet (Art. 16a Abs. 3 GG). 

 

 

Die Entscheidung der Bundesregierung im September 2015, Flüchtlinge aus Ungarn einreisen zu lassen und ihnen die Berufung auf das Asylrecht zu ermöglichen, verstößt gegen Art. 16a Grundgesetz. Insoweit ist der Gesetzwidrigkeitsvorwurf nicht von der Hand zu weisen. Ob eine Regierung auf der anderen Seite nicht berechtigt ist und sein können muss, in einer Ausnahmesituation eine solche Maßnahme als einmalige bzw. zeitlich beschränkte humanistische Hilfe zu ergreifen, müsste letztendlich das Bundesverfassungsgericht entscheiden, eine Alternative mit der Seehofer zwischenzeitlich zunehmend zögerlich droht. 

 

Art. 16a I Grundgesetz lautet derzeit: „Politisch Verfolgte genießen Asylrecht“. Es wäre ein Einfaches hinzuzufügen: „Das Nähere regelt ein Bundesgesetz“. Das würde klarstellen, dass es sich beim Asylrecht um eine sogenannte institutionelle Garantie handelt und die Möglichkeit schaffen, einfach gesetzliche Grenzen des Asylrechtes festzulegen, etwa in Form von Quoten. Also eine Neukonzeptionierung des Art. 16 a, weg vom Individualgrundrecht für jedermann, hin zu einer institutionellen Garantie oder eine „Staatszielbestimmung“. Politisch Verfolgten würde nur noch „nach Maßgabe der Gesetze“ Asyl gewährt. Die staatlichen Organe blieben in der Pflicht, hätten aber größeren Gestaltungsspielraum gewonnen. Vor allem könnte der (einfache) Gesetzgeber Obergrenzen und Kontingentierungen festsetzen und bei Bedarf flexibel verändern. Eine solche Neukonzeptionierung des Asylrechts wäre nur im Wege einer Grundgesetzänderung möglich und bedürfte zugleich einer Änderung europarechtlicher Vorgaben, würde aber der Bundesrepublik die Möglichkeit verschaffen, eine angemessene, an der humanistischen Notlage auf der einen und den wirtschaftlichen und innenpolitischen Befindlichkeiten auf der anderen Seite entsprechende Einwanderungsquote zu bestimmen. Es fehlt nur der politische Wille dazu. 

 

Die derzeit vorgesehenen Schranken sind nicht wirklich überzeugend. Nach Art. 16 Abs. 2 kann sich auf das Asylrecht niemand berufen, der aus einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Gemeinschaften oder einem sogenannten sicheren Drittstaat einreist. Das ist ein ziemlich realitätsfremdes Ruhepolster, das man schnellst möglichst gegen eine Quotenregelung austauschen sollte, anstatt es, wie im letzten September geschehen, schlicht zu ignorieren. Der derzeitige Rechtszustand belastet nur die an den bekannten Flüchtlingsrouten belegenen Länder mit EU Außengrenzen, vor allen Dingen Griechenland und Italien. Das war zu keinem Zeitpunkt eine gerechte Lastenverteilung. Die exponierte Stellung der Länder mit EU Außengrenzen ist seit über 20 Jahren bekannt, aber mangels Belastungsprobe nicht ernst genommen worden. Erst der Bürgerkrieg in Syrien und der Fluchtweg über die Türkei und das Mittelmeer nach Griechenland haben diese konstruktive Schwachstelle des europäischen Asylrechts deutlich werden lassen. 

 

Frau Merkel: Es war eine schöne, humanistische Geste vorbehaltloser Hilfsbereitschaft, aber sie hätten es von Anfang an als zeitlich und zahlenmäßig beschränkte Soforthilfe ausweisen müssen und durften nicht Hoffnungen auf eine Dauerlösung wecken. Diese Einsicht kam zu zögerlich, zu spät und letztendlich auch zu unredlich. 

 

Eine Nation hat auch etwas mit Kultur, Geschichte, Sprache, Tradition (auch politischer), mit Heimat zu tun. Eine Zuwanderung in einem Ausmaß, dass wesentliche Teile der Bevölkerung sich im eigenen Land als Fremde fühlen, darf nicht stattfinden. Wer diese Überfremdungsängste nicht ernst nimmt, dem steht keine verantwortliche Position in unserer Politik zu, genauso wenig wie denjenigen, die Überfremdungsängste und Ausländerhass befeuern. Das Potenzial einer AFD beschränkt sich nicht auf tumbe Nationalsozialisten sondern rekrutiert sich nicht zuletzt aus vielen ganz normalen Bürgern, Erst- und Wiederwählern, die es leid sind, in dem, was sie bewegt und ängstigt, kein Gehör zu finden, weil die Politik abgehoben ist, eine kleine Elite, die unter sich aushandelt, was 80 Millionen Bürger betrifft und ausbaden müssen. Das sind keine Repräsentanten des Volkes mehr, sondern sie sind an seine Stelle getreten. Genau das meint „Wir sind das Volk“. 

 

Ich soll dem Volk aufs Maul schauen, aber das, was ich dort höre, verantwortungsbewusst und gemäß unserer Verfassung in Realpolitik umsetzen. Ich darf und soll auch dem Volk verweigern, was ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren kann. Aber ich darf mich nicht so weit von ihm entfernen, dass ich es überhaupt nur noch an der Wahlurne wahrnehme. 

 

Die Nation hat auch in Globalisierungszeiten, bei allem Zusammenwirken und Zusammenwachsen der Staaten, ihre Bedeutung behalten. Unsere Gesellschaften sind auch durch Zuwanderung bunter, vielfältiger, ja klüger geworden. Unsere Kulturen tauschen sich aus, beeinflussen einander. Dennoch bleibt die Nation identitätsbildend, macht Heimat aus. Ein Aspekt, den übrigens gerade die EU sträflich vernachlässigt. 

 

Wir kehren der Not nicht den Rücken. Wir helfen, wo wir können, auch und gerade Asylanten. Das ist uns ein humanistisches Bedürfnis. Aber keine Hilfe ist schrankenlos. Sie darf den Helfenden nicht überfordern, entfremden, ängstigen. Wir müssen unsere Position zwischen den Extremen Hilfe und Eigennutz, aufeinander Zugehen und Angst, Weltoffenheit und Entfremdung, Nächstenliebe finden. Hilfe um jeden Preis ist ziemlich einfältig, gefährlich, letztendlich hilflos. Grenzenlose Angst vor dem Fremden, die Vorstellung, dass nur am deutschen Wesen die Welt genesen wird, gleichermaßen. Also Aufklärung, Offenheit, Ehrlichkeit, Dialog mit dem Wähler statt einsamer, abgekoppelter Entscheidungen da oben. Sprecht mit denen, die ihr repräsentiert, hört ihnen zu und wenn Euch nicht gefällt, was ihr hört, überzeugt sie eines Besseren, aber lasst sie nicht sprach- und bedeutungslos zurück. Europa ist zuvörderst eine Gemeinschaft von Wirtschaftsinteressen, ein großer Binnenmarkt mit einer gemeinsamen Währung, sowie einem größtmöglichen Maß an Freizügigkeit. So weit, so gut. Das mit der abendländischen Wertegemeinschaft klappt dagegen nicht so gut. Als moralischer Zuchtmeister der Gemeinschaft sind wir Deutschen weder bestimmt noch mehrheitsfähig. Wir bleiben verschiedene Völker, Kulturen, Traditionen, die sich nicht gleich machen lassen wollen und sollen. Auch das hat die Asyllage überdeutlich gemacht. Deutschland steht mit seiner liberalen, an und für sich regelwidrigen Asylpolitik ziemlich allein. Es sind ja nicht nur die osteuropäischen Staaten und der Balkan, die möglichst gar keine Flüchtlinge aufnehmen wollen. Auch Frankreich und Großbritannien handhaben eine Flüchtlingspolitik der ganz kleinen Zahlen und selbst die liberalen Skandinavier haben anhand der außerordentlichen Flüchtlingszahlen resigniert und ihre Grenzen geschlossen. 

 

Lasst uns daher den Teil der Asylbewerber aufnehmen, der unserer eigenen, umsichtigen Abwägung zwischen Humanität und Überforderung entspricht und diese Quoten offen und gastfreundlich aufnehmen und integrieren. Sollen die übrigen EU-Staaten das ihrige tun. Ich bin sicher, wir werden im Vergleich gut dastehen, wie auch gewiss ist, dass man sich immer mehrfach trifft und dass die Asylverweigerer bei anderer Gelegenheit mit unserer dort zu treffenden verantwortlichen Entscheidung weniger zufrieden sein werden. Politische Übereinkunft ist ein Geben und ein Nehmen. Ein Mitgliedsland, das die humanitäre Wertegemeinschaft aus egoistischen nationalen Erwägungen nicht mitträgt, muss damit leben, dass wir andere Belange eben dieses Mitgliedslandes ebenso restriktiv empfinden. Wir können den europäischen Zuwanderungstotalverweigerern nicht unsere humanitären Vorstellungen aufzwingen. Aber wir dürfen uns an ihre Haltung zum Asyl und gemeinsam zu tragende Lasten erinnern. 

 

Lösungswege sind kompliziert und vor allen Dingen nicht kurzfristig erfolgversprechend. Die Ursachen der Flüchtlingswelle in Syrien zu beheben? Wie soll das gehen und wie vor allen Dingen das Vertrauen der vielen bereits auf der Flucht Befindlichen in ihr Heimatsland und ein menschenwürdiges Leben dort zurückgewinnen? Die Türkei als „Zwischenlager“ war schon immer ein eher aus Verzweiflung geborener Rettungsanker. Das gleiche gilt für die Hoffnung einer europäischen Einigung auf Flüchtlingskontingente. 

 

Abschließend noch einige Worte zu Zahlen oder eher Zahlenkunststücken. In der Flüchtlingsdebatte wird uns immer wieder der Eindruck vermittelt, wir würden zurzeit eine noch nie dagewesene Massenwanderung erleben. Wenn man nach belastbaren, validen Zahlen forscht, ist dieses Menetekel zumindest fragwürdig. Mit Zahlen und Statistiken lässt sich so gut wie jede Politik begründen. Mit Zahlen der gleichen Quelle lassen sich sowohl der Untergang als auch die Entwarnung belegen. 

 

Betrachtet man die Migration global, so könnte man genauso gut die Frage stellen: Warum gibt es so wenig davon? Auf der Welt leben zurzeit 7,3 Milliarden Menschen. Weltweit haben hiervon 36,5 Millionen in den letzten fünf Jahren ihr Heimatland verlassen, sind also migriert. Das sind 0,5 % der Weltbevölkerung. 99,5 % der Bevölkerung sind nicht Migranten, lebten also 2015 noch im gleichen Land wie 2010. Die Welt bleibt also ganz überwiegend zu Hause. Die Nichtmigration ist die Regel, die Migration die große Ausnahme. 

 

Alle Zahlen zur Migration stammen von den Vereinten Nationen. Die UNO zählt und addiert die Migranten/Flüchtlinge aller Länder. Als Migrant gilt jede Person, die nicht in dem Land lebt, in dem sie einst geboren wurde. 

 

Jüngst hat die UNO folgende Pressemeldung herausgegeben: 

 

„Im Jahr 2015 hat die Zahl der internationalen Migranten 244 Millionen erreicht. Das ist ein Zuwachs von 41 % gegenüber dem Jahr 2000.“ 

 

 

Im Jahr 2000 zählte die UNO 173 Millionen Migranten. Das waren 2,8 % der damaligen Weltbevölkerung von 6,1 Milliarden. Seitdem ist die Weltbevölkerung auf 7,3 Milliarden angewachsen, die 244 Millionen Migranten, die aktuell gezählt werden, machen dementsprechend 3,3 % davon aus. Tatsächlich ist also der Anteil der Migranten bezogen auf die Weltbevölkerung in den letzten 15 Jahren lediglich um 0,5 % gewachsen und nicht um 41 %, wie sich die Pressemeldung der UNO wohl nicht ganz unbeabsichtigt glauben macht. 

 

Die Zahl 244 Millionen ist nicht falsch. Es wird aber versäumt zu vermitteln, dass diese Zahl den gesamten addierten Migrantenbestand der Welt seit 1960 wiedergibt. Jeder, der jemals aus seinem Geburtsland weggezogen und noch am Leben ist, ist in dieser Zahl enthalten. Die UNO misst Migranten-Bestände. Interessanter für die aktuelle politische Diskussion sind jedoch Migranten-Bewegungen. 

 

Es wird der Eindruck vermittelt, die ganze Welt wolle nach Europa. Wenn man die Migrationsbewegungen der letzten fünf Jahre betrachtet, stellt man schnell fest, dass dem nicht so ist. Die größten globalen Wanderbewegungen finden innerhalb einzelner Weltregionen statt, nicht über Kontinente hinweg. Die meisten Flüchtlinge migrieren von Afrika nach Afrika, von Nahost nach Nahost. Viele 100 tausende Menschen sind vom Sudan in den Südsudan, von Indien nach Dubai oder von Syrien in den Libanon gezogen. Es migrieren wesentlich mehr Europäer innerhalb Europas als Afrikaner nach Europa. Es migrieren ungleich mehr Menschen innerhalb des Nahen Ostens als von Nahost nach Europa. Die größte transkontinentale Bewegung findet nach wie zuvor zwischen Süd-und Nordamerika statt. Nordamerika und Europa sind die wichtigsten Zielregionen internationaler Migration, wobei Nordamerika eine wesentlich geringere Abwanderung hat als Europa. Der Anteil Europas am gesamten Wanderungsvolumen ist gesunken. Migrationswege führen auch nicht überwiegend von sehr armen in sehr reiche Länder, sondern folgen einem Stufenmodell. Die Menschen ziehen jeweils in Länder, deren Wirtschaft etwas stärker ist als die ihres Heimatlandes also etwa von Bangladesch nach Indien oder von Simbabwe nach Südafrika. 

 

Tatsächlich ist die globale Migration in den vergangenen fünf Jahren sogar rückläufig. Die Zahl der wandernden Migranten zwischen 2010 und 2015 (36,5 Millionen) ist um mehr als 8 Millionen kleiner als in der vorherigen Fünfjahresperiode (45 Millionen). Eine historische Spitze erreichte die globale Wanderungsrate zwischen 1990 und 1995, als der Eiserne Vorhang gefallen war, Afghanistan im Bürgerkrieg versank und der Völkermord in Ruanda geschah. Die 0,5 % der letzten fünf Jahre sind der tiefste Wert seit 1960. Der Anteil der wandernden Migranten an der Weltbevölkerung ist seit mehr als einem halben Jahrhundert nahezu konstant und bewegt sich stets um die 0,6 % Marke pro fünf Jahre. D.h., pro Fünfjahresperiode sind weltweit 6 von 1000 Menschen auf Wanderschaft. Bei den Pressemeldungen der UNO klingt das irgendwie anders.* 

 

Letzte Woche wurde in Rom Papst Franziskus der Aachener Karlspreis verliehen. Zum Abschluss meines Vortrages möchte ich aus seiner Festrede zitieren, die nicht nur die europäischen Gäste der Veranstaltung nachdenklich gestimmt hat: 

 

 

„Was ist mit dir los, humanistisches Europa, du Verfechterin der Menschenrechte, der Demokratie und der Freiheit? … Ich träume von einem Europa, von dem man nicht sagen kann, dass sein Einsatz für die Menschenrechte an letzter Stelle seiner Visionen stand. … Ich träume davon, dass Politik mehr auf die Gesichter blickt, als auf die Zahlen, mehr auf die Geburt von Kindern als auf die Vermehrung der Güter achtet, … von einem Europa, in dem das Migrantsein kein Verbrechen ist.“ 

 

 

*sämtliche Zahlen sind Auswertungen der Daten der UNO durch das Wittgenstein Centre for Demgraphy in Wien-zitiert Spiegel 2016/18 

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Öffentlicher Diskussionsabend: "Alles Lügenpresse?"

Gestern Abend (12. April 2016) führten wir eine spannende Diskussion zum Thema Freiheit der Presse und dem Umgang mit einer Flut von (Kurz-)Informationen, der mit folgendem Impulsvortrag eingeleitet wurde:

 

"'Lügenpresse - halt die Fresse' schallt es einem auf manchen Demonstrationen entgegen und in einer Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens infratest dimap gaben 20 Prozent der Befragten Ende letzten Jahres an, dass sie persönlich von „Lügenpresse" sprechen würden, wenn sie an Zeitungen, Radio und Fernsehen in Deutschland denken. 

Doch was bedeutet dieses Wort eigentlich und warum ist es nun in aller Munde? Wo kommt es her? Haben die Menschen wirklich kein Vertrauen in die Medien mehr? Und - gibt es vielleicht sogar allen Grund dazu?

Der Begriff „Presse“ kommt ursprünglich von dem Wort „Druckerpresse“ und wurde zunächst für alle Arten von Druckerzeugnissen verwendet. Heute versteht man unter dem Begriff eher die Gesamtheit aller Zeitungen und Zeitschriften in jeglicher Form sowie für das damit zusammenhängende Nachrichten- und Meinungswesen. 

Etwa zu der Zeit als die Presse begann sich zu etablieren, vor etwa 400 Jahren, wurde ihr auch schon eine etwas einseitige Berichterstattung vorgeworfen - und das nicht immer zu Unrecht. Das Wort Lügenpresse selbst lässt sich seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts nachweisen. Es ist keine Erfindung der Nazis und wurde im Laufe der Zeit von nahezu allen politischen Lagern verwendet.

Heute ist die Arbeit der Presse in Deutschland besonders mit dem Artikel 5 des Grundgesetztes geschützt, der besagt:

„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.“

Hier findet sich also das Recht auf eine unabhängige Berichterstattung, sowie das Recht auf freie Meinung in Kombination. Ich kann also meine Meinung frei in einer Zeitung äußern, solange ich nicht gegen geltendes Recht verstoße und beispielsweise den Holocaust leugne. 

Eine Lüge ist eine Aussage, von der der Sender weiß oder vermutet, dass sie unwahr ist, und die mit der Absicht geäußert wird, dass der Empfänger sie trotzdem glaubt.

Der Pressekodex des Deutschen Presserates verbietet das Lügen im ersten von 16 Punkten:

„Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse. Jede in der Presse tätige Person wahrt auf dieser Grundlage das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Medien.“

Somit ist zumindest auf dem Papier klar: Lügen ist für die Presse verboten.

Doch ein gewisses Misstrauen bleibt. Schließlich lügen wir alle jeden Tag mehrmals. Im Internet kursieren Informationen, die besagen, dass wir sogar bis zu 200 Mal am Tag lügen. Einen echten Beleg dafür lässt sich leider nicht finden, sodass auch diese Zahl vermutlich nur eine Lüge ist. 

Es wird vielleicht nicht so oft gelogen, aber es wird gelogen. Lügen dienen dazu, einen Vorteil zu erlangen, zum Beispiel um einen Fehler oder eine verbotene Handlung zu verdecken und so Kritik oder Strafe zu entgehen. Gelogen wird auch aus Höflichkeit, aus Scham, aus Angst, Furcht, Unsicherheit oder Not. Lügen dienen uns als sozialer Kitt. Wir wollen, dass man uns weiter zuhört, dass man uns interessant findet, dass man sich wieder trifft, wollen niemandem weh tun, und so weiter, und so fort…

Also warum sollte dann gerade die Presse nicht lügen? Ist es manchmal nicht sogar sinnvoll, wenn sie nicht immer ganz bei der Wahrheit bleibt? Zum Beispiel, wenn es die gesamtwirtschaftliche Situation eines Landes schützen kann? So wirkte beispielsweise in den Jahren 1856 und 1857 die französische Regierung massiv auf die Finanzpresse ein um die drohende Weltwirtschaftskrise doch noch abzuwenden und die panisch verkaufenden Wertpapierhändler zu einem Umdenken zu bewegen.

Und schließlich sitzen doch auch hinter der Presse nur Menschen wie wir, die nur das beste für sich oder andere wollen.

 

Doch wer sind denn eigentlich wirklich die Menschen hinter den Medien?

Ein erster Blick auf die Medienlandschaft lässt eine Vielfalt an Informationsgebern vermuten. Hier finden sich 335 lokale und regionale Tageszeitungen, sowie große, einflussreiche und überregionale Zeitungen wie BILD, FAZ, Süddeutsche und die Zeit. 

Doch trotz der großen Vielfalt an Titeln und Produkten ist die Zahl der eigenständigen Verlage seit Mitte der fünfziger Jahre in Deutschland stetig zurückgegangen. Wirtschaftlich und technisch führende Verlage konnten in verschiedenen regionalen Märkten Konkurrenten verdrängen. Die wirtschaftliche Entwicklung auf dem Pressemarkt hat zur Bildung großer Verlagsunternehmen geführt. Führend ist hier die Bertelsmann AG, zu denen nicht nur die RTL-Gruppe, sondern auch das Verlagshaus Gruner & Jahr mit Publikationen wie der Stern und National Geographic, sowie einige Firmen, die sich mit dem Druck selbst und der Distribution von Druckmitteln beschäftigen.

Kurz dahinter kommt, nach der ARD, der Verlag Axel Springer mit Veröffentlichungen wie der BILD, Welt, Handelszeitung, BZ und Rolling Stone. Für einige Zeit arbeiteten Axel Springer und Bertelsmann jedoch auch zusammen im Bereich des Drucks im Rahmen einer Joint Venture.

Ebenfalls in Verbindung stand zeitweise ein weiterer großer Spieler: Die Hubert Burda Media. Diese kaufte in den 80er-Jahren Anteile von Axel Spinger, bringt unter anderem den Fokus heraus und sendet hauseigene Formate wie „Faszination Leben“ oder „GRIP - Das Automagazin“ bei RTL - einem Teil von Bertelsmann.

Ebenfalls große Medienunternehmen in Deutschland sind die ProSiebenSat1-Media, die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, die Bauer Media Group, Weltbild, das ZDF und die Funke Mediengruppe. 

Auffallend ist, dass viele dieser größten Medienunternehmen Deutschlands in Familienbesitz sind. So gehört Bertelsmann der Bertelsmann-Stiftung, die wiederum zum großen Teil in Besitz der Erben des ehemaligen Bertelsmann-Besitzers Reinhard Mohn ist und von einem Kuratorium kontrolliert wird, deren Vorstandsvorsitzender Werner Bauer, unter anderem, gleichzeitig Generaldirektor bei der Nestlé AG ist. 

Der Verlag Axel Springer wird zwar von Mathias Döpfner, einer auch nicht gerade unumstrittenen Person, geleitet, doch eine nicht zu verachtende Zahl von Anteilen hält die Witwe des ehemaligen Geschäftsführers, die ebenfalls eine Zeit lang den Verlag leitete. Sie gilt auch als gute Bekannte Angela Merkels. 

Weitere Verflechtungen mit der Politik finden sich auch in den Kontrollgremien der öffentlich-rechtlichen Sender. So ist seit 2012 der ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete und Staatssekretär des saarländischen Arbeitsministeriums Martin Karren Verwaltungsdirektor des Saarländischen Rundfunks. Über ihm sitzt lediglich der Intendant. 

Auch andersrum funktioniert der Wechsel: Die Journalistin Susanne Gütte ist seit diesem Monat Sprecherin des Bundesfamilienministeriums. Zuvor hatte sie jahrelang beim Privatfernsehen gearbeitet. Zuletzt bei N24 und RTL2.

Wenn man sich also diesen Dschungel von Verstrickungen betrachtet, kann man tatsächlich auf die Idee kommen, dass hier und da ein wenig beschönigt oder aufgebauscht wird oder vielleicht sogar ein wenig gelogen wird.

Gerade das Aufbauschen von Informationen scheint ein gutes Erfolgsrezept zu sein, schließlich geht es ja den Medienmachern nicht nur um die reine Berichterstattung, sondern auch um das Verkaufen ihrer Medien. Letzten Endes entscheidet schließlich die Auflage darüber wie viel ich für eine Anzeige verlangen kann.

Nehmen wir zum Beispiel die Tageszeitung BILD. Sie erreicht, zusammen mit der in Berlin erscheinenden B.Z., 10,35 Millionen Leser pro Ausgabe mit einer Auflage von etwa 2.220.000. BILD selbst bewirbt ihre Anzeigenkunde mit dem Satz „Die perfekte BILD-Schlagzeile sorgt dafür, dass Deutschland jeden Tag die BILD aufschlägt“, und verlangt für eine ganze Seite Werbung 495.000€. 

Wir wollen also anscheinend die schnelle und einfache Erklärung auf dem Silbertablett serviert bekommen. Am liebsten wollen wir innerhalb einer Schlagzeile schon alles erklärt haben, das wir wissen müssen.

Der Soziologe Armin Nassehi spricht davon, dass es „derzeit in Europa eine Sehnsucht nach einfachen Erklärungen für eine außerordentlich komplizierte Welt gibt“. Das spielt sicherlich auch im Moment vielen Populisten in die Karten.

Zum Glück scheint es aber immer noch Journalisten zu geben, die sich Zeit nehmen sich in solche Sachverhalte einzuarbeiten und sie informativ aufzubereiten. Als aktuelles Beispiel lassen sich hier im Moment wohl die Schreiber des „ICIJ“, des Internationalen Konsortiums der investigativen Journalisten, nennen, die mit ihren Enthüllungen der „Panama Papers“ von sich reden machen. Sie werteten über ein Jahr lang 2,6 Terrabyte an Daten aus, verschafften sich einen Überblick, bereiteten alles auf und gingen dann erst an die Öffentlichkeit. 

 

Doch auch hier zeigt sich, dass diese Welt nicht einfach ist. Sie ist verworren und voller Widersprüche. Es gibt nicht die eine Lösung. Je tiefer man sich in einen Sachverhalt einarbeitet, umso besser versteht man ihn - oder man versteht, dass man ihn nicht verstehen kann, oder das das Problem vielleicht ein ganz anderes ist. 

 

Doch ist es die Wirtschaft, die hier an allem Schuld ist? Sind es die großen Konzerne, die dem Neokapitalismus freien Lauf lassen und uns damit in den Wahnsinn treiben? Sind es vielleicht doch die Politiker? Die CIA? Oder doch einfach nur die Freimauerer oder Illuminaten?

 

 

Ich frage mich: Wie können wir also dieser Flut an Kurzinformationen begegnen? Wie können wir lernen damit umzugehen? Wie können wir herausfinden, ob etwas tatsächlich gelogen, aufgebauscht oder falsch dargestellt wird? Haben wir nicht auch eine Verantwortung für das, was wir da konsumieren und wie wir es konsumieren? Ist es nicht wie bei jedem Konsum? Schließlich haben wir doch auch eine Verantwortung für das Essen, das wir essen und das Handy aus China mit dem tollen neuen Design."

 

Sollten Sie auch einmal mit uns und anderen Gästen diskutieren wollen, freuen wir uns auf Ihre Nachricht.

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Arbeitskalender für das erste Halbjahr 2016

Nun sind auch wir bereit in das neue Jahr zu starten und freuen uns Ihnen den neuen Arbeitskalender für die erste Hälfte des noch jungen Jahres präsentieren zu können.

 

Es erwarten Sie, uns und euch einige spannende Veranstaltungen. So feiern wir beispielsweise in diesem Jahr unser 60-jähriges Bestehen und dürfen gleich drei unserer Mitglieder in den Meistergrad begleiten.

 

Der aktuelle Arbeitsplan findet sich hier.

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Öffentlicher Vortragsabend - "Aufzugtechnik und die Angst vor dem Absturz"

Wie funktioniert eigentlich ein Aufzug? Warum haben viele Menschen Angst vor diesem Gerät, das tagtäglich Millionen Menschen befördert? Was macht es zu einem der sichersten Verkehrsmittel unserer Welt? Was ist ein Aufsturz? 


Diese, und noch viele weitere Fragen, konnte unser Referent mit seinem Fachwissen anschaulich und für alle verständlich in unserem Gästeabend darstellen. Vor allem konnten alle Fragen, die sich ein jeder sicherlich zu diesem Thema schon einmal gestellt hat hervorragend beantwortet werden. 


Der Referent führte uns durch die Geschichte der Aufzugstechnik von den Ägyptern über die Erfindung des Flaschenzuges zu den heute hochtechnisierten Maschinen, die uns das Leben erleichtern. Mit diesem Eindruck ließ sich gut nachvollziehen, welchen Aufwand Menschen vor unserer Zeit betrieben haben um Personen und Lasten zu befördern und wie selbstverständlich wir heute mit technischen Errungenschaften umgehen. Und vor allem die Angst vor einem Absturz konnte vielen genommen werden. 

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Weiße Arbeit mit Spectemur Agendo & Tusculum / Vortrag "Vorbild und Identität"

Am Dienstag fand zum ersten Mal eine weiße Arbeit mit unseren befreundeten Logen Spectemur Agendo und Tusculum statt. Im Rahmen dieser Arbeit hielt unser Br. Wolfgang einen Vortrag mit dem Titel "Vorbild und Identität - oder Erkenne dich selbst":

 

Als Ziel des „Erkenne dich selbst“ werden häufig verkürzt nur die Negativmerkmale unseres Charakters fokussiert, unserer Fehler, Schwächen und Wertedefizite, die es anschließend abzubauen gilt. Das erkenne dich selbst hat aber durchaus auch eine positive Seite, nämlich wenn es darauf gerichtet ist, sich seine wirklichen Neigungen, Hoffnungen, Fähigkeiten, Ziele ja sogar Träume bewusst zu machen. In beiden Fällen geht es darum, Irrtümer auszumerzen, mein Leben aktiv zu gestalten, danach auszurichten, was ich wirklich will und bin. 

Sind wir hilflose Reisende auf der für uns vorgegebenen Spur unserer Herkunft, von außen uns angedienter Vorbilder, der Gesellschaft, der wir angehören und deren Wertesystem? Oder sind wir in der Lage, aus solchen fremdbestimmten Mustern, dem Mainstream auszubrechen und autonom unseren ganz eigenen Weg zu suchen und zu finden? Diese Frage haben wir kürzlich äußerst lebhaft am Beispiel von Berufswahl und Berufsleben diskutiert. 

 

Unter Identität verstehen wir die Gesamtheit der Merkmale, die einer Person Einmaligkeit/Unverwechselbarkeit /Individualität verleihen. Identität lässt sich als Antwort auf die Fragen verstehen: Wer bin ich, warum handele ich, wie ich handle, empfinde ich, wie ich es tue? Wodurch unterscheide ich mich von jemandem/jedem anderen? Identität dient der Selbstverortung. Wo stehe ich in der Gemeinschaft mit anderen Identitäten. Identität dient also der Bestimmung meines ganz persönlichen Sinnes. 

 

Vorbilder sind demgegenüber Personen und Verhaltensmuster, die von außen auf uns einwirken, sich uns als geeignete Lösung für unsere eigene Charakterbildung und Lebensführung empfehlen, häufig zur Identifikation führen. Der Begriff Vorbild ist ein wenig euphemistisch. Er suggeriert eine positive Auswirkung auf die Rezipienten, lenkt davon ab, dass es auch schlechte Vorbilder gibt, dass Vorgaben, die für den einen richtig sind für den andern gar nicht passen mögen. 

 

Vorbilder erleichtern, bestimmen unsere Entscheidungen, aber sind es dann noch unsere? Vorbilder können zweifellos eine wichtige Orientierung sein und sicherlich mangelt es unserer Gesellschaft bisweilen an vorbildhaften Einzelpersonen. Aber Vorbilder entlasten uns auch von Verantwortung, davon unseren eigenen Weg zu erkennen, zu finden und konsequent zu beschreiten. Sie sind ein Hilfsmittel für diejenigen, denen die Bereitschaft oder Fähigkeit der Selbstreflexion, der bewussten eigenständigen Lebensgestaltung fehlt, für die anderen aber letztlich nur zweite Wahl. 

 

Die Bildung von Identität beginnt mit der Übernahme erlebter/mir vorgelebter Vorbilder, mit Identifizierung. Gerade der neugeborene, der junge Mensch identifiziert sich schnell mit etwas Außenstehenden, Ideen, Idealen, einzelnen Menschen oder Gruppen. Dadurch, dass wir uns bestimmten Gruppen zugehörig fühlen, soziale Rollen innerhalb dieser Gruppen übernehmen, nehmen wir die Merkmale der Gruppenidentität als eigene Wesensmerkmale an. Solche Identifikations-Subjekte/Objekte können eine Nation und ihre Kultur sein, die Familie, eine politische oder religiöse Gruppierung, deren Werte, Empfindungen, Ziele, die ich als meine eigenen übernehme. Eine äußerst wichtige Rolle bei solchen Identifizierungsmechanismen spielen Herkunft und Erziehung. 

 

Identifizierung ist aber nur ein Aspekt bei der Erlangung von Identität, uns zwar angeboren, aber passiv, zu einem großen Teil unbewusst.. Der andere ist die aktive, bewusste Entwicklung eigener, wirklich persönlicher Merkmale. Durch mein Erleben, meine Erfahrungen entstehen Verhaltensmuster, Neigungen/Abneigungen, individuelle Wertvorstellungen/Unwertvorstellungen. 

 

Beide Prozesse stehen in einer Wechselwirkung zueinander. Entwickelt sich beispielsweise die Identität einer Kultur, Nation, politischen oder religiösen Gruppierung in einer Art und Weise, die mit den von mir selbst entwickelten persönlichen Merkmalen und Überzeugungen nicht/nicht mehr harmoniert, werde ich neue Identifikationsobjekte suchen, wie umgekehrt natürlich die von mir als Teil der Gruppe entwickelten Merkmale und Überzeugungen wiederum die Gruppenidentität beeinflussen. Meine Identität wird also einerseits durch Gruppenzugehörigkeiten und die Rolle bestimmt, die ich innerhalb der Gruppe übernehme (Identifikation), das „Wir“, andererseits durch die Erfahrung meiner Einzigartigkeit, indem ich mich als anders erlebe, das „Ich“. 


Wenn wichtige Gruppenzugehörigkeiten verloren gehen (Familie, Volk, Staatsangehörigkeit, Nation, Religion) kann dies zu Identitätsverlusten führen. Wenn die betroffene Person sich nicht mehr mit diesen Gruppen identifiziert oder identifizieren kann, ist sie, zumindest vorübergehend, physisch und psychisch isoliert. Auf der anderen Seite ist die Identifikation mit einer Gruppe häufig das Ergebnis des letztendlich zufälligen Umfeldes, in das ich hineingeboren werde, von Erziehung und äußeren Zwängen. Der Verlust oder auch der bewusste Ausbruch aus einer bisherigen Identität kann ein Akt der Emanzipation sein, der Lösung von fremdbestimmten Identitäten. 

Ein Mensch verliert seine Identität, wenn er sich so verändert , dass wesentliche Merkmale entfallen, anhand deren er bislang identifiziert wurde und sich selbst identifizierte. 

 

Identitäten sind nicht statisch, von der Geburt bis zum Tod festgelegt. Sie entwickeln und verändern sich. Bei der Geburt ist die Identität noch nicht vorhanden, jedenfalls nicht in der Form eines entwickelten Bewusstseins, wer ich bin und wohin ich will. Anfangs wird sie sich überwiegend fremdbestimmt entwickeln, durch Vorbilder, das Angebot und Vorleben von Identifikationsobjekten, durch Erziehung. Mit zunehmendem Alter sucht der Mensch sich eigene Wege, gewinnt persönliche Erfahrungen und Schlussfolgerungen hieraus für sein weiteres Leben, sollte es jedenfalls.

 

So kommt es vor, dass ich mich plötzlich fremd unter den Personen/Gruppen fühle, mit denen ich mich zuvor identifiziert habe. Mein persönliches Erleben, meine Erfahrungen führen mich in eine andere, eine neue Richtung, und das ist wichtig. 

 

Platon lässt Sokrates folgende Worte sprechen: 

 

„Charakterzüge, Gewohnheiten, Meinungen, Begierden, Freuden und Leiden, Befürchtungen: alles das bleibt sich in jedem einzelnen niemals gleich, sondern das eine entsteht, das andere vergeht.“ 

 

Identität ist also grundsätzlich nicht statisch/dauerhaft, kann es aber werden, wenn ich das wichtigste Element einer gesunden Identität missachte, die Selbstreflexion, die zur Selbsterkenntnis führt, das entscheidende Regulativ, um falsche Identifikationen und fehlerhaft ausgedeutete Erfahrungen zu korrigieren. Wenn ich als Kind misshandelt werde, kann ich mich mit diesem Verhaltensmuster der Eltern identifizieren und zulassen, dass dies meine Haltung zu den eigenen Kindern prägt, was erschreckend häufig geschieht. Wir imitieren, was wir erleben und als normal vorgeführt erhalten. Erst durch die Reflexion: Wie hast du dich damals gefühlt? Hast du die erlebten Misshandlungen als angemessen und gerecht, als vorbildhaft empfunden? Kann ich aus der falschen Identifikation entkommen. Das „Erkenne dich selbst“, hinterfrage dein Leben, Verhalten, deine Wertvorstellungen und Handhabung von gut und böse, richtig und falsch, sind wesentliche Bedingung für die Entwicklung einer wertigen Identität und damit letztendlich für ein glückliches Leben. 

 

Erkenne dich selbst heißt: Lese in dir, wie in einem Buch. Hinterfrage deine Impulse, Überzeugungen und Haltungen zu deinem Leben und dem deiner Mitmenschen. Reflektiere die Vorgaben deiner bisherigen Vorbilder und Identifikationsobjekte und die Schlussfolgerungen, die du vielleicht voreilig aus deinen persönlichen Erfahrungen gezogen hast. Dieses erkenne dich selbst ist die elementare Kontrollinstanz, das Regulativ für fragwürdige Identitäten, ein Leben, Ziele, einen Beruf, die nicht wirklich für dich bestimmt sind. Sonst laufe ich Gefahr, in der Oberflächlichkeit hängen zu bleiben, unkritisch etwa den Modellen meines Vaterlandes, meiner Kultur, meiner Eltern, generell fremdbestimmten Identitäten, verhaftet zu bleiben, oberflächlich dem hinterher zu laufen, was mir spontan Vergnügen und Lust bereitet oder auch mangels erprobter Alternativen zu bereiten erscheint. 

Identitäten sind unendlich vielfältig. Sie sind ein Gesamtkunstwerk aus Herkunft, Charakter, individuellen Erfahrungen, Vorlieben, Idealen, Neigungen und Abneigungen. Was bedeutet mir mein Heimatland, die Familie, beruflicher Erfolg, Wohlstand, Kultur, Kunst, was bereitet mir Langeweile und Desinteresse? 

 

Die Identität als Einzigartigkeit und damit gleichzeitig als Garant für Vielfalt, Individualität und Kreativität, ist ständig in Gefahr. In Gefahr, aus Einfalt und Unachtsamkeit fremdbestimmt zu werden, nicht mehr meine Identität sondern die Wunschidentität Aussenstehender/eigentlich Fremder zu sein. Vielfalt ist dem Kapital und den es repräsentierenden Unternehmen verdächtig, erschwert unnötig den Zugang zum Konsumenten, verteuert die Produktion, steigert das unternehmerische Risiko, reduziert den Profit. Simple Identitäten, die massenhafte Identifikation mit einheitlichen Marken und Produkten, die einen globalen „Mainstream“ bilden, gilt es zu fördern. Besser noch von den Produzenten und ihren Helfern nach ihren Vorstellungen gestaltete und dem Konsumenten implantierte Identitäten. Selbstreflexion, kritisches Hinterfragen der schönen neuen Welt von Amazon, Apple und Facebook erschwert den erstrebten wirtschaftlichen Erfolg. Logarithmen machen den einzelnen berechenbar, ermöglichen es, Gemeinsamkeiten aus einer unendlichen Vielzahl von Identitäten herauszufiltern, sie gezielt zu fördern. Logarithmen bestimmen den kleinsten gemeinsamen Nenner möglichst großer Bevölkerungsgruppen, deren Präferenzen dann wieder als meinungsbildend für die anderen genutzt werden können. Und plötzlich hört man weltweit die gleiche Musik, applaudiert den gleichen Büchern und Filmen, trägt die gleiche Mode und reiht sich gehorsam in die endlosen Schlangen vor den Apple Stores ein, weil die neueste Auflage des iPhone unbedingt identitätsprägend ist. 

 

Unter Identitätsdiebstahl versteht man herkömmlich den Missbrauch der Daten einer fremden Person. Ich verstehe darunter eher den systematischen Versuch, unsere Vorbilder, Ideale, Ziele zu vereinheitlichen, die theoretisch unendliche Vielfalt auf profitoptimierte Weltkultur-Produkte zurückzustutzen. Manchmal fühle ich mich ein wenig fremd in der Gesellschaft, die sich mir so überaus allgegenwärtig und hartnäckig zur Identifizierung anbietet, zur Übernahme von Werten, in denen sich meine persönliche Identität so gar nicht wieder finden mag. 

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Den Vortrag "Vorbild und Identität" können Sie hier herunterladen.
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Öffentlicher Diskussionsabend -  “Unverzichtbar oder Unmenschlich? Tierversuche zwischen Erkenntnisgewinn und Quälerei.“

Am 10.11.2015 wurde als Teil des öffentlichen Vortragsabends unserer Loge folgender Impulsvortrag gehalten:


"In unregelmäßigen Abständen tauchen in einigen Medien aufsehenerregende Nachrichten und vor allem Bilder auf, die angebliche Grausamkeiten in Tierexperimenten zeigen, woraus ein allgemeines Verbot von Tierversuchen abgeleitet wird. Von der wissenschaftlichen Seite werden diese Bedenken häufig mehr oder weniger lust- und vielleicht auch mutlos abgewiegelt. Gründe hierfür liegen vielleicht in einem mangelnden Interesse, die Bevölkerung über die eigenen Methoden und deren Sinnhaftigkeit zu informieren oder auch an fehlender Zeit und einer schlicht unzureichenden Öffentlichkeitsarbeit. Auf jeden Fall scheint mir die Tierschutzlobby was die Verbreitung ihrer Thesen angeht, engagierter und auch erfolgreicher zu sein. Denn wer will schon, dass Hunde oder Affen getötet werden?


In den letzten Jahren hat sich auch dieses Thema zunehmend in die sozialen Medien verlagert, was aber, wie so oft, nicht unbedingt hilfreich für eine sachliche Diskussion war. Aber was kann man denn an Fakten festhalten zum Thema Tierversuchen?

Im Jahr 2013 wurden knapp 3 Millionen Wirbeltiere (Wirbellose Tiere müssen bis auf wenige Ausnahmen nicht angezeigt werden und Gegensatz zu Versuchen an Wirbeltieren müssen diese in keinem Fall genehmigt werden – eine historische, wenn auch naturwissenschaftlich nur schwer zu haltende Trennung) verwendet, was nach einem Jahrzehnt des Anstiegs erstmals ein leichter Rückgang war. Wichtige Anwendungsbereiche sind die Grundlagenforschung (genveränderte Mäuse und zunehmend auch Ratten), die toxikologische Prüfung und die Arzneimittelforschung. Zu den am häufigsten genutzten Tieren gehören Mäuse, Ratten und mit einigem Abstand Fische. Hunde, Affen und Katzen stellen nur einen Bruchteil der Versuchstiere, auch wenn sie meistens die mediale Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Der Grund könnte darin liegen, dass wir für die eben genannten Haustiere eine größere Empathie empfinden bzw. vor allem Affen uns so ähnlich erscheinen. Vielleicht wären Tierversuche nur an Nagern leichter der Öffentlichkeit zu „verkaufen“, aber würde sie das besser machen? Auch gegen den Einsatz von Schweinen oder Kühen in Tierversuchen lässt sich nur schwer argumentieren, wenn jährlich alleine in Deutschland 700 – 800 Millionen Schlachttiere getötet werden.


Und was ist mit der Sinnhaftigkeit? Im §1 des Tierschutzgesetzes  findet sich die interessante Formulierung: „Zweck dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“


Diese zwei Sätze beschreiben eigentlich gut, wie die Stellung von Tieren vor dem Gesetz ist:

Mitgeschöpf ja, Leben und Wohlfühlen auch ja, jedoch ist Töten und notfalls Schmerzen verursachen ok, wenn es sein muss. Später wird noch detaillierter darauf eingegangen, dass Schmerzen, Leiden und Schäden so gut es geht mit allen möglichen Mitteln (z. B. Betäubungsmitteln) abgemildert oder besser noch vermieden werden müssen. Auch ist es mit zunehmendem Maß der verursachen Schmerzen oder Leiden immer schwieriger, einen Versuch genehmigt zu bekommen und es muss ein wirklich großer Erkenntnisgewinn zu erwarten sein – aber ihre Verursachung ist nach dem Gesetz prinzipiell gestattet.

Aber sind Tierversuche ein vernünftiger Grund? Geht man zu den Kritikern, wird man ein eindeutiges Nein hören, manchmal sogar der Versuch unternommen, dies wissenschaftlich zu untermauern. Die PETA geht sogar so weit und behauptet, 99 % der so gewonnen Erkenntnisse ließen sich nicht auf den Menschen übertragen und die Experimente und die damit verbundenen Leiden seien dadurch sinnlos.


Wenn man mit dieser Meinung zu Wissenschaftlern geht, erfährt man höchstens ungläubiges Kopfschütteln. Denn was man auch festhalten kann, ist, dass auch aus den unterschiedlichsten, uns scheinbar nur wenig verwandten Arten wie Kopffüßlern, Fadenwürmern, Fliegen und sogar Bakterien Erkenntnisse gewonnen werden können, die sich auf den Menschen übertragen lassen und das Fundament von zahlreichen wissenschaftlichen Disziplinen begründet haben.


Allgemein lässt sich sagen, dass entgegen aller Beschwörungen seitens der Tierschützer es ohne Tierversuche zu einer drastischen Reduzierung der Forschungsleistung in den Bereichen der Grundlagenforschung und zu einem Einbruch bei der Entwicklung und Risikoabschätzung von neuen Substanzen kommen würde. Die häufig genannten Alternativmethoden bieten hierfür noch keinen Ersatz, sondern dienen als durchaus wichtige Ergänzung. Man könnte am ehesten sagen, dass weder Tierversuche noch Alternativmethoden alleine die besten Ergebnisse liefern, sondern ihre Kombination und wissenschaftliche Bewertung zurzeit am sinnvollsten sind. Verschweigen sollte man hier jedoch nicht, dass für zahlreiche offiziell nicht als Tierversuche deklarierte Experimente Zellen aus Tieren benötigt werden, was oft mit deren Tötung verbunden ist. Auch wird häufig für die Kultivierung von Zellen Serum aus fötalen Kälbern benötigt, welches nicht ohne deren Tod gewonnen werden kann.


Ihr habt gesehen, ich bin in diesem Punkt vielleicht etwas einseitig, jedoch kann ich nur davon erzählen, was ich weiß und erlebt habe und das ist in diesem Fall klar für eine Notwendigkeit von Tierversuchen. Weiterhin halte ich es sogar für wichtig, dies klar zu kommunizieren und auch gerne zu diskutieren, um einer einseitigen, emotional aufgeladenen Propagandaschlacht entgegenzutreten!

Ein weiterer Aspekt, der in dieser Thematik nicht außer Acht gelassen werden sollte, ist der ethische. Die Verwendung in Tierexperimenten aber auch zur Nahrungsproduktion oder für zahlreiche andere Anwendungen ist nur konsequent mit der Haltung, die im zuvor erwähnten §1 des Tierschutzgesetzes eingenommen wurde. Doch ist sie richtig? Es wird sogar von einer Verantwortung des Menschen gegenüber dem Mitgeschöpf gesprochen. Werden wir ihr gerecht, wenn wir Tieren Leiden zufügen und sie töten? Der Moralphilosoph Peter Singer geht davon aus, dass alle Tiere, die das Interesse haben, Schmerzen zu vermeiden, das gleiche Recht auf Unversertheit haben, wie Menschen. Demnach wäre eine Forschung an menschlichen Embryonen, denen kein Interesse an Schmerzvermeidung und Lebenserhaltung unterstellt wird,  in Ordnung, Versuche an Mäusen „Speziesismus“, vergleichbar mit Rassismus oder Sexismus. Doch wer entscheidet und woran macht er es fest, wann ein Tier schmerzempfindlich ist? Wird es an einer bestimmten Entwicklungsstufe des Nervensystems festgemacht? Und wieso gilt es nur für Tiere? Auch Pflanzen kommunizieren, empfinden Stress und hat nicht jedes Lebewesen ein natürliches Interesse, zu leben und sich fortzupflanzen? Ist dies doch die Triebfeder der Evolution. Sollten wir daher Pflanzen abwerten, nur weil wir sie nicht schreien hören können?

Noch weiter geht die Position der Rechte der Tiere. Diese verleiht allen Tieren ähnliche individuelle Rechte wie Menschen, was Zwangsmaßnahmen und Bevormundungen jeglicher Art, also Tierhaltung generell, unmöglich machen würde. Hier stellt sich die Frage, wie man Lebewesen Rechte verleihen kann, ohne dass diese eine Chance haben, ihre Rechte zu verstehen und entsprechend zu handeln. Auch hier scheint mir eine Fokussierung auf Tiere inkonsequent. Aber wie sähe eine Gesellschaft aus, die lebt, ohne andere Lebewesen zu töten oder zu belasten. Selbst ein sich quasi nur von Fallobst ernährender Fruitarer schränkt das Interesse der Pflanze ein, sich fortzupflanzen.


Daher scheint unser Überleben nur auf Kosten anderer möglich zu sein. In diesem Punkt hat sich seit Beginn der Zivilisation nichts geändert und das wird es wohl auch sobald nicht.  Gibt es auf diese Weise überhaupt die Möglichkeit eines Miteinanders? Führt dies dann zurück zu dem Kompromiss, wenigstens die verursachen Leiden zu reduzieren und werden wir überhaupt dieser Minimalforderung in Deutschland gerecht?"


Wesentliche Punkte waren die Überlegung, dass aus wissenschaftlicher Sicht Tierversuche zurzeit noch unverzichtbar seien, da Alternativmethoden in der Regel noch keinen angemessenen Ersatz leisten können. Diese Haltung wird auch durch das Tierschutzgesetz unterstützt. Alternativmethoden stecken noch in den Kinderschuhen und leiden unter schlechter Sensitivität und Spezifität, wobei auch Tierversuche immer auf diese Kriterien überprüft werden müssen. Zudem arbeiten sie auch häufig mit biologischem Material, welches aus Tieren gewonnen werden muss. Basierend hierauf fand eine anregende Diskussion statt, wobei jedoch immer eine brüderliche Atmosphäre zugegen war. Wie häufig bei unseren Vortragsabenden wurden neue, vom Vortragenden noch gar nicht bedachte interessante Punkte und Themen eingebracht und erörtert.

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Öffentlicher Diskussionsabend: "Freimaurerei und das Schweigen zur Politik"

Der gestrigen Diskussionsabend begann mit dem folgenden Impulsvortrag:

 

"Eigentlich wollte ich heute über das sprechen, was derzeit in Heidenau, in Freital und immer wieder in Dortmund passiert. 


Ich wollte diskutieren wie es zu solch rechten Bewegungen kommen konnte, die sich selbst als „besorgte Bürger“ oder „Asylkritiker“ titulieren und auch in der Presse und der Politik oft so genannt werden. Ich wollte wissen, ob es eine Lösung geben kann mit diesem braunen Mob umzugehen und ob nicht viel früher etwas hätte passieren müssen. 

Gerne hätte ich auch darüber gesprochen wie das Internet für die Verbreitung von falschen Tatsachen genutzt wird um zu polarisieren, wie Neonazis seit Jahren systematisch in die Mitte der Gesellschaft vordringen und ihr Gedankengut schön verpackt an den Mann bringen.


Doch letzten Endes fragte ich mich: Darf ich das hier eigentlich?


Schließlich besagen unsere Statuten seit 1723:


„Auch sollt ihr nichts tun oder sagen, das verletzen oder eine ungezwungene und freie Unterhaltung unmöglich machen könnte. Denn das würde sich nachteilig auf unsere Eintracht auswirken und den guten Zweck vereiteln, den wir verfolgen. Deswegen dürfen keine persönlichen Sticheleien und Auseinandersetzungen und erst recht keine Streitgespräche über Religion, Nation oder Politik in die Loge getragen werden.“ 


Dass nicht über Religion gestritten werden soll, ist für mich durchaus einleuchtend. Es ist etwas persönliches, etwas, das tiefer geht und keiner Erklärung bedarf. Religion kann nicht rational besprochen werden. Ich glaube an dieses oder jenes. Und dieses „ich glaube“ ist es, dass jedem selbst überlassen sollte. 


Ist das in der Politik nicht irgendwie dasselbe? Schließlich glaube ich an bestimmte Werte, die die eine Partei mehr oder weniger vertritt. 


Allerdings sollte ich diese Dinge durchdacht haben. Ich kann mich mit Fakten eindecken und diese für mich persönlich auswerten. Das gestaltet sich bei der Religion etwas schwieriger. 


Und gerade dieses Durchdenken, dieses Hinterfragen sollte etwas sein, dass meiner Meinung nach, zur spekulativen Freimaurerei gehört wie das Amen in die Kirche. 


Was sollte uns also davon abhalten über Politik zu streiten? 


„Politik geht uns alle an“, habe ich in der Schule gelernt. Sie ist nicht geprägt von parteipolitischen Ränkelspielchen, sondern sie ist etwas, dass unseren Alltag gestaltet. Es geht um mehr als alle paar Monate zur Wahl zu gehen.


Natürlich will ich keinen Streit innerhalb der Loge, doch ich möchte, dass die Probleme, die uns alle etwas angehen offen und ehrlich besprochen werden können. Dabei sollten extreme Formen wir Rechtsextremismus keinen Raum haben. Eine solche Form der Meinungsäußerung würde gegen unsere humanitären Grundwerte verstoßen. 


Was mich zu meiner nächsten Frage bringt:


Warum äußern sich Freimaurerlogen bzw. die Vereinigte Großloge von Deutschland als unsere Generalvertretung, nicht zu menschenverachtenden Äußerungen wie sie im Zuge der Flüchtlingspolitik vermehrt getätigt werden. Sind Freimaurer nicht in der Vergangenheit und auch heute noch immer wieder Opfer von Verfolgung und abstrusen Verdächtigungen geworden? Sollten wir nicht alles, auch öffentlich, ablehnen, dass gegen Menschenrechte und ein friedliches Miteinander verstößt? 


Dass die Vereinigten Großlogen sich nicht zu jedem politischen Thema äußern sollte - und kann - liegt im Kern unserer Bruderschaft, die frei von Dogmen ist. Jeder hier darf und soll seine eigene Meinung haben. Eine einhellige Meinung nach außen zu vertreten ist schwer und auch nicht immer gewollt, doch alles was unseren Grundwerten Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit entgegensteht, sollte ein klares Zeichen entgegengesetzt werden.


Prominente wie Til Schweiger, Oliver Kalkofe, Anja Reschke, sowie Joko und Klaas formieren sich unter dem Motto „Mund Aufmachen“ und sprechen sich klar gegen Fremdenhass und Rechtsextremismus aus. Ein solches Zeichen zu setzen scheint mir heute nötiger als vor ein paar Jahren. 


Wie, wo und wann machen wir also unseren Mund auf?"

 

Nach diesen einleitenden Worten begann eine rege Diskussion mit den unterschiedlichsten Meinungen.

 

Sollten Sie Interesse haben, einmal mit uns zu diskutieren und unsere Ansichten kennen zu lernen, nehmen Sie einfach Kontakt auf und besuchen Sie einen unserer Diskussionsabende.


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Arbeitsplan für das erste Halbjahr 2015

Liebe Brüder, liebe Suchende, liebe Interessenten, wir freuen uns nun den neuen Arbeitsplan für das erste Halbjahr 2015 vorstellen zu können.

 

Es erwarten uns wieder einige spannende Diskussions- und Vortragsabende, mindestens eine Tempelarbeit in jedem Grad, sowie Besuche von befreundeten Logen.

 

Sollte Ihr und euer Kalender am kommenden Sonntag, den 11. Januar noch nicht gefüllt sein, weisen wir gerne auf den Neujahrsempfang der Düsseldorfer Freimaurerlogen hin. Wir freuen uns auf ein spannendes und ebenso arbeitsreiches Jahr 2015 und hoffen euch und Sie bald bei uns begrüßen zu können.

Ein Jahr neigt sich dem Ende zu

Mit einer Beförderungsarbeit (TA II) in der letzten Woche bildete diese Arbeit unserer Loge die letzte für dieses Jahr und brachte so ein spannendes und arbeitsreiches Jahr zum Ende. In diesem Jahr haben wir viel über uns und über andere gelernt und sind dabei enger zusammengerückt, auch mit Hilfe unserer neu aufgenommenen Brüder.


Und nun freuen wir uns auf ein ebenso schönes Jahr 2015, das sicherlich viele schöne Momente bereithält, die wir gerne mit Ihnen und euch teilen möchten.


Doch nun wünschen wir Ihnen und euch eine ruhige und besinnliche Weihnachtszeit, sowie einen guten Übergang ins neue Jahr! Wir würden uns freuen Sie und euch auf einer unserer Veranstaltungen zu treffen - so zum Beispiel auf dem Neujahrsempfang der Düsseldorfer Logen am 11. Januar oder zu unserem Vortragsabend am 13. Januar.

Öffentlicher Vortrag zum Thema "Depressionen"

Warum sollte man sich in einer Freimaurerloge mit dem Thema Depressionen beschäftigen?


Als Freimaurer versuchen wir die Welt um uns herum genauer wahrzunehmen und vielleicht so uns und andere ein wenig besser zu verstehen. So fügte sich dieser Vortrag hervorragend in unsere "Arbeit am rauen Stein" ein.


Im Rahmen dieses Vortrages wurden uns die Fakten dargelegt und die Gefühlswelt eines Depressiven wurde anhand einer Kurzgeschichte erläutert. Diese können Sie gerne hier nachlesen.